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Reservistenverband plädiert für höhere Altersgrenze und verbindlichere Wehrübungen

Die Bundeswehr steht vor der Aufgabe, ihre Personalstärke deutlich auszubauen. Neben mindestens 260.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten sollen künftig auch 200.000 Reservistinnen und Reservisten zur Verfügung stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, bringt der Reservistenverband konkrete Vorschläge in die Debatte ein.

Bastian Ernst begründet seinen Vorstoß mit der gestiegenen Lebenserwartung und dem höheren Renteneintrittsalter. Viele Menschen blieben länger leistungsfähig und könnten ihre berufliche sowie militärische Erfahrung weiterhin einbringen. Diese Potenziale sollten aus seiner Sicht stärker genutzt werden.

Zugleich verweist Ernst auf Herausforderungen bei der Gewinnung jüngerer Jahrgänge. Um die Reserve personell zu stärken, sei es erforderlich, auch ältere Reservistinnen und Reservisten stärker einzubeziehen.

Kritik am Freiwilligkeitsprinzip

Neben der Altersgrenze stellt der Verbandspräsident auch das sogenannte doppelte Freiwilligkeitsprinzip infrage. Derzeit ist für die Teilnahme an Wehrübungen sowohl die Zustimmung der Reservistinnen und Reservisten als auch der jeweiligen Arbeitgeber erforderlich. Ernst spricht sich dafür aus, das Einspruchsrecht der Arbeitgeber abzuschaffen.

Eine ähnliche Position vertritt der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp. Er sieht in der bisherigen Regelung ein Hindernis für eine verlässliche Einsatzplanung und fordert mehr Verbindlichkeit innerhalb der Reserve.

Geplante Wehrerfassung wegen unklarer Datenlage

Nach Angaben des Reservistenverbandes ist die genaue Zahl der verfügbaren Reservistinnen und Reservisten derzeit nicht bekannt. Schätzungen zufolge haben acht bis neun Millionen Menschen Wehrdienst geleistet. Rund 60.000 Reservistinnen und Reservisten sind aktuell beordert und damit kurzfristig verfügbar. Der Verband selbst zählt etwa 110.000 Mitglieder.

Eine präzisere Datengrundlage soll künftig durch eine neue Wehrerfassung geschaffen werden. Diese soll helfen, Personalpotenziale systematisch zu erfassen und für die Planung nutzbar zu machen.

Ausbau der Reserve bis 2035

Die geplante Aufstockung der Reserve soll vor allem durch Personen erfolgen, die den neuen Wehrdienst absolvieren. Für dieses Modell wurden zu Jahresbeginn die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen. Ziel ist es, die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr langfristig zu sichern.

Parallel dazu wird die strategische Ausrichtung der Streitkräfte weiterentwickelt. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte an, eine neue Militärstrategie sowie ein aktualisiertes Fähigkeitsprofil vorzulegen, das den künftigen Umgang mit sicherheitspolitischen Herausforderungen beschreibt.

Quelle:https://www.berliner-zeitung.de/article/bundeswehr-reservistenverband-fordert-anhebung-der-altersgrenze-auf-70-jahre-10031634

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