Mit hohen Vertragszahlen und milliardenschweren Investitionen hat das Beschaffungsamt der Bundeswehr im Jahr 2025 seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Verteidigungsminister Boris Pistorius will diesen Kurs sichern und strukturell weiterentwickeln. Noch 2026 soll ein Reformkonzept vorgelegt werden, das zusätzliche Standorte vorsieht.
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) soll organisatorisch so aufgestellt werden, dass es künftigen Anforderungen dauerhaft gerecht wird. Der Verteidigungsminister bekräftigte, dass weder der Standort noch die dortigen Dienstposten zur Disposition stünden. Koblenz bleibe Hauptsitz und eine Ausgliederung in Form einer Agentur sei nicht vorgesehen. Ziel sei vielmehr, zusätzliche Standorte in der Fläche aufzubauen, um qualifizierte Fachkräfte und neue Talente gezielt zu gewinnen. Eine Verlagerung von Beschaffungsaufgaben in die Teilstreitkräfte schloss Pistorius aus.
Rekordzahlen bei Projekten und Verträgen
Die Leistungsbilanz des vergangenen Jahres unterstreicht die Bedeutung des Amtes. Im Jahr 2025 wurden 103 sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlagen erarbeitet. Diese sind Voraussetzung für die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages bei größeren Beschaffungsvorhaben. Darüber hinaus schloss das BAAINBw mehr als 11.500 Verträge mit einem Gesamtvolumen von nahezu 34 Milliarden Euro ab.
Auch bei der Auslieferung von Material erreichte die Behörde ein hohes Niveau. Aus 149 Projekten wurden Ausrüstungsgegenstände im Wert von rund 24 Milliarden Euro an die Truppe übergeben, teilweise finanziert aus dem Sondervermögen. Die Marine erhielt unter anderem den ersten Seefernaufklärer des Typs „Poseidon P8A“. Zusätzlich wurden zahlreiche Fahrzeuge, darunter Wechselladersysteme sowie persönliche Ausstattungen an Soldatinnen und Soldaten ausgeliefert.
Langfristige Verantwortung
Die Aufgaben des Beschaffungsamtes enden nicht mit der Übergabe an die Truppe. Neben der Einleitung und Umsetzung von Beschaffungen verantworten die Beschäftigten auch die Nutzungsphase der Produkte. Dazu zählen Instandsetzung, Produktpflege und die Versorgung mit Ersatzteilen. Systeme werden während ihres Einsatzes kontinuierlich weiterentwickelt, gewartet und instand gesetzt. Für die Betreuung bereits eingeführter Ausrüstung wurden im Jahr 2025 nahezu sieben Milliarden Euro aufgewendet.
Anpassungen an wachsende Anforderungen
Mit Blick auf die geplante Vergrößerung der Bundeswehr steigt der Bedarf an Ausrüstung und damit auch an Beschaffungsvorhaben. Zugleich nehmen die Anforderungen an die Begleitung der Nutzungsphase zu. Dazu kommen verkürzte Innovationszyklen bei neuen Systemen, die organisatorisch bewältigt werden müssen.
Vor diesem Hintergrund hatte der Minister bereits im November 2025 auf der Bundeswehrtagung Anpassungen an Strukturen und Prozessen des BAAINBw angewiesen. Staatssekretär Jens Plötner wurde beauftragt, bis Mai 2026 ein entsprechendes Konzept vorzulegen. Dieses soll in enger Abstimmung mit der Präsidentin des BAAINBw, Annette Lehnigk-Emden, erarbeitet werden. Ziel sei es, das Amt und seine nachgeordneten Bereiche zukunftsfest auszurichten.
Die Neuausrichtung wird außerdem durch ein dreiköpfiges Expertenteam aus externen Beraterinnen und Beratern begleitet. Deren Aufgabe ist es, Strukturen und Abläufe gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium zu analysieren und Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Der Hauptsitz in Koblenz bleibt dabei unangetastet. Ergänzend sollen jedoch weitere Standorte entstehen. Ein Beispiel ist das kürzlich eröffnete Innovationszentrum in Erding, das bereits heute Teil der Struktur ist.
Quelle: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/ausruestung-baainbw/aktuelles/verteidigungsminister-zur-beschaffungsamtreform-6072972