Mittlere Kräfte: die neuen Fähigkeiten im Heer

Internationales Krisenmanagement

Den sogenannten „Mittleren Kräften“ kommt in Zukunft eine immer größere Bedeutung zu. Denn der Einsatz der Bundeswehr „im internationalen Krisenmanagement wird der wahrscheinliche Auftrag“ bleiben, so Generalleutnant Stephan Thomas, Kommandeur der Deutschen Anteile am Multinationalen Korps/Militärische Grundorganisation. Am Defence Day, einer vom Behörden Spiegel organisierten Online-Veranstaltung zum Thema, sprach er am 14. Dezember 2021 über den zukünftigen Ausbau von mittelschwer bewaffneten und digitalisierten Brigaden: Es gelte, „potentielle Aggressoren“ abzuschrecken und „multinational anschlussfähig zu bleiben und teilweise auch wieder zu werden“.

Dazu brauche man eben die „Mittleren Kräfte“ als bewegliche und relativ schnelle Brigaden im Gelände für den „Einsatz in der Sahel-Zone“ oder theoretisch an „der Ostflanke der NATO“, wo es eine Enhanced Forward Presence gibt. Diese dient zur Abschreckung an der östlichen EU-Grenze.

Deutsch-Französische Brigade ist der Anfang

„Die Verantwortung der Dimension Land haben wir angenommen“, erklärte Generalleutnant Stephan Thomas weiter, „das Heer hat die Wende schon begonnen“. Dazu sei der Anfang mit der Deutsch-Französischen Brigade schon gemacht. In ihr dienen 5000 Soldaten, die auf sechs Orte in Frankreich und Deutschland verteilt sind. Die EU und die NATO verlassen sich auf ihr Reaktionspotential als binationaler Großverband.

Der Nachbar als Vorbild

Schon seit 2018 baut Frankreich selbst mit dem SCORPION-Programm seine „Mittleren Kräfte“ – auf Französisch Forces Médianes genannt – aus, um die französische Armee an die Spitze der digitalen Bodentruppen zu bringen, wie Generalleutnant a.D. Arnaud Sainte-Claire Deville erläuterte. Er ist Leiter der institutionellen Beziehungen Frankreich-Europa bei Nexter Systems, einer französischen Bodentruppen-Ausrüstungs-Firma.

Auch sein Landsmann Colonel Nicolas Riviere, Verbindungsoffizier des Kommandos Heer in Frankreich, lobte die Verlegefähigkeiten und die Beweglichkeit der „Mittleren Kräfte“ im Rahmen von vernetzten Einsätzen. Wichtige Kampffahrzeuge, die die Franzosen bereits haben, seien dabei Jaguar, Griffon und Serval.