Deutschland stärkt Rolle als NATO-Anlehnungspartner
Deutschland soll innerhalb der NATO stärker als militärischer Anlehnungspartner für europäische Verbündete wirken. Die Ausrichtung setzt auf gemeinsame Fähigkeiten, eine höhere Einsatzbereitschaft und eine engere Verzahnung der Streitkräfte.
Die „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung – Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte“ beschreibt eine wachsende deutsche Verantwortung innerhalb der NATO. Deutschland soll Partnern Fähigkeiten zur Verfügung stellen, multinationale Strukturen unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften weiter vertiefen. Dabei steht insbesondere die gemeinsame Entwicklung militärischer Fähigkeiten im Mittelpunkt.
NATO-Partner setzen auf stärkere deutsche Verantwortung
Nach Darstellung des Bundesministeriums der Verteidigung erwarten Bündnispartner, dass Deutschland beim Ausbau multinationaler Fähigkeiten eine größere Führungsrolle übernimmt. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hob anlässlich des 70. Jahrestags des deutschen NATO-Beitritts die Bedeutung deutscher Führung und entschlossenen Handelns für ein stärkeres Bündnis hervor.
Eine Grundlage für diese Zusammenarbeit bildet das Framework Nations Concept der NATO. Deutschland brachte das Konzept 2013 in die Allianz ein. Im deutschen Modell stellt die Rahmennation unter anderem Führungs-, Unterstützungs- und Aufklärungsfähigkeiten bereit. Andere beteiligte Staaten ergänzen diese Strukturen mit spezialisierten Beiträgen. So sollen multinationale Verbände entstehen, deren Fähigkeiten auf die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet sind.
Deutsch-niederländische Zusammenarbeit als Beispiel
Wie weit eine solche Integration reichen kann, zeigt die Kooperation zwischen dem deutschen und dem niederländischen Heer. Alle drei niederländischen Kampfbrigaden sind inzwischen deutschen Divisionen zugeordnet. Zum gemeinsamen Ansatz gehört auch das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414. Beide Streitkräfte bringen eigene Fähigkeiten in die Zusammenarbeit ein und entwickeln ihre militärische Kooperation weiter. Das Modell verdeutlicht damit den Ansatz, nationale Beiträge innerhalb gemeinsamer Strukturen miteinander zu verbinden.
Gemeinsame Fähigkeiten für die Luftverteidigung
Auch die European Sky Shield Initiative verfolgt einen multinationalen Ansatz. Deutschland hat die Initiative angestoßen, um eine koordinierte Beschaffung interoperabler Systeme für eine mehrschichtige Flug- und Raketenabwehr in Europa zu unterstützen. Abhängig von den jeweiligen Entscheidungen der Teilnehmerstaaten zählen dazu unter anderem IRIS-T SLM und Patriot sowie in Deutschland Arrow. Durch die gemeinsame Ausrichtung soll die Interoperabilität verbessert und ein Beitrag zur integrierten Luft- und Raketenabwehr der NATO geleistet werden.
Multinationale Kräfte in Litauen
Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt in Litauen. Die dort eingesetzte Multinational Battlegroup Lithuania ist seit Februar 2026 der Panzerbrigade 45 „Litauen“ unterstellt. Deutschland übernimmt als Rahmennation die Führung und stellt wesentliche militärische Fähigkeiten bereit. Die Niederlande beteiligen sich unter anderem mit Aufklärungsfähigkeiten, während Tschechien ABC-Abwehrkräfte einbringt. Weitere Beiträge in Bereichen wie Logistik und Sanitätsdienst werden ebenfalls multinational bereitgestellt.
Mit dieser Zusammenarbeit wollen die beteiligten Staaten die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit an der NATO-Ostflanke stärken.
Quelle: https://www.bmvg.de/de/aktuelles/deutschlands-rolle-anlehnungspartner-6147978