Bundeswehr plant verpflichtende Versetzungen für Brigade in Litauen
Beim weiteren Aufbau der Panzerbrigade 45 „Litauen“ will die Bundeswehr erstmals auch Soldatinnen und Soldaten verpflichtend versetzen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums könnten davon mehrere hundert Angehörige der Bundeswehr betroffen sein. Freiwillige Meldungen bleiben nach Darstellung des Ministeriums weiterhin die Grundlage der Personalgewinnung.
Für die geplante Vollaufstellung der Panzerbrigade 45 reichen die bisherigen freiwilligen Meldungen nicht in allen Bereichen aus. Das Verteidigungsministerium bestätigte deshalb, dass auch verpflichtende Personalmaßnahmen vorgesehen sind. Nach aktueller Prognose soll sich deren Umfang im mittleren dreistelligen Bereich bewegen. Zuvor hatte die Bild berichtet, dass Ende September erste Soldatinnen und Soldaten verpflichtet werden könnten.
Fast 80 Prozent der Stellen freiwillig besetzt
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind inzwischen fast 80 Prozent der vorgesehenen Stellen durch Freiwillige besetzt. Seit Mai hätten sich mehr als 2.500 Soldatinnen und Soldaten für eine Verwendung in Litauen gemeldet. Seit Ende April sei zudem ein deutlicher Anstieg der Freiwilligenmeldungen verzeichnet worden. Personalengpässe bestehen dem Ministerium zufolge vor allem in einzelnen Mangelbereichen. Genannt werden insbesondere Fachkräfte aus der Logistik sowie der Informationstechnik. Für diese Bereiche sollen neben verpflichtenden Versetzungen auch kürzere Abkommandierungen, Rotationsmodelle und dienstliche Kurzzeitaufenthalte geprüft werden. Das Ministerium erklärte, das Freiwilligkeitsprinzip bleibe weiterhin die Handlungsmaxime. Die persönlichen Belange der Soldatinnen und Soldaten sollten bei Entscheidungen so weit wie möglich berücksichtigt werden. Zugleich stellte das Ministerium klar, dass die Einsatzbereitschaft im Zweifel Vorrang vor der Freiwilligkeit habe.
Brigade soll Ende 2027 voll einsatzbereit sein
Bis Ende 2027 soll die Panzerbrigade 45 vollständig aufgebaut sein. Vorgesehen sind rund 4.800 deutsche Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 200 zivile Beschäftigte. Verteidigungsminister Boris Pistorius bekräftigte, dass die Brigade wie geplant Ende 2027 ihren Einsatz an der NATO-Ostflanke aufnehmen und voll einsatzbereit sein soll.
Zum Aufbau der Brigade gehören unter anderem das Panzerbataillon 203 sowie das Panzergrenadierbataillon 122. Beide Verbände sollen bis 2027 nach Litauen verlegt werden. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach wird dabei vollständig mit seinem Material und Gerät dauerhaft nach Litauen verlegt. Bereits in Litauen eingesetzte Kräfte weisen nach Angaben von Euronews eine höhere Besetzungsquote auf. Dazu gehört insbesondere die seit 2017 bestehende multinationale Battlegroup.
Hohe Freiwilligenquote im Panzerbataillon 203
Der Kommandeur des Panzerbataillons 203, Oberstleutnant Oliver Kaufmann, berichtete während der Übung „Freedom Shield“ von einer hohen Freiwilligenquote in seinem Verband. Er erklärte, die Mehrheit der Soldaten sei bereit, freiwillig nach Litauen zu gehen. Zugleich betonte er, er wolle Soldaten an seiner Seite haben, die von dem Auftrag überzeugt seien und diesen gemeinsam im Team des Panzerbataillons 203 übernehmen wollten.
Für Angehörige der Bundeswehr, die verpflichtend versetzt werden, ist nach den vorliegenden Informationen ein entsprechender Vorlauf vorgesehen. Die Betroffenen müssen über die Maßnahme informiert werden und haben die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen.
Quellen: https://de.euronews.com/my-europe/2026/09/14/freiwilligkeit-bundeswehr-soldaten-litauen, https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/litauen-brigade-erstmals-sollen-soldaten-verpflichtet-werden,VVCs8MH