Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Bundeswehr-Aufwuchs stockt bei Personal, Kasernen und Ausrüstung

Die Bundesregierung will die Bundeswehr personell vergrößern, ihre Infrastruktur ausbauen und die Ausrüstung modernisieren. Bei Personalgewinnung, Kasernenbau und mehreren Beschaffungsvorhaben bestehen jedoch weiterhin erhebliche Lücken.

Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten auf 260.000 steigen. Ende Juni lag die Personalstärke bei 185.196. Seit Beginn der sogenannten Zeitenwende ist die Truppe damit nur um knapp 2.000 Angehörige gewachsen.

Das Verteidigungsministerium verweist zwar auf mehr Bewerbungen und Einstellungen, der Personalaufwuchs wird jedoch durch hohe Anforderungen für spezialisierte Dienstposten und eine Abbrecherquote von rund 25 Prozent in den ersten sechs Monaten gebremst. Als Ursachen werden unter anderem unzureichende Kommunikation, umfangreiche Bürokratie und fehlende sinnstiftende Aufgaben genannt.

Neuer Wehrdienst soll Reserve stärken

Der neue Wehrdienst basiert zunächst auf Freiwilligkeit und soll vor allem die Reserve vergrößern. Diese soll künftig auf 200.000 Reservistinnen und Reservisten anwachsen. Bis Mitte Juni wurden knapp 300.000 Schreiben an junge Männer und Frauen verschickt. 96 Prozent der angeschriebenen Männer beantworteten den Fragebogen. Etwa jeder Fünfte bekundete grundsätzlich Interesse an einem Dienst. Bis Ende Juni konnten rund 530 Personen fest für den Wehrdienst im laufenden Jahr eingeplant werden.

In den kommenden Jahren sind zunächst moderate Steigerungen vorgesehen. Schwieriger dürfte der Aufwuchs ab den 2030er-Jahren werden, wenn jährlich 10.000 oder mehr zusätzliche Soldatinnen und Soldaten benötigt werden. Reicht die Zahl der Freiwilligen nicht aus, kann der Bundestag über eine Bedarfswehrpflicht entscheiden.

Mehr Kasernen und Unterkünfte erforderlich

Der geplante Personalzuwachs erhöht den Bedarf an Kasernen, Übungsflächen und Munitionslagern. Das Verteidigungsministerium prüft deshalb mehr als 170 frühere Militärstandorte erneut. 40 Liegenschaften wurden bereits als ungeeignet freigegeben. In mehreren Kommunen stößt die mögliche Rückkehr der Bundeswehr auf unterschiedliche Reaktionen. Einige Städte und Gemeinden begrüßen die Pläne, andere verweisen auf bereits vorgesehene Wohn- und Gewerbeprojekte sowie entstandene Planungskosten.

In Kiel haben Stadt und Bund eine Absichtserklärung für die erneute militärische Nutzung des Geländes des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 unterzeichnet. Dort soll das Seebataillon der Marine mit rund 1.500 Personen und mehreren Dutzend kleinen Kampfbooten stationiert werden. Ursprünglich waren auf dem Gelände mehr als 2.000 Wohnungen geplant.

Bis 2031 sollen insgesamt rund 40.000 zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten entstehen. Zugleich müssen zahlreiche bestehende Kasernen saniert werden. Der Wehrbericht 2025 nennt unter anderem verschmutztes Warmwasser, fehlende Toiletten, Schimmel und Gebäude in schlechtem Zustand.

Beschaffung auf hohem Niveau

Seit 2022 hat die Bundesregierung die Zahl großer Beschaffungsvorhaben deutlich erhöht. Die sogenannten 25-Millionen-Euro-Vorlagen stiegen von 55 im Jahr 2023 auf 97 im Jahr 2024 und auf 103 im Jahr 2025. Genehmigt wurden unter anderem zusätzliche Kampf- und Schützenpanzer, Hubschrauber, U-Boote und Drohnen. Bis die Systeme tatsächlich bei der Truppe verfügbar sind, wird jedoch weitere Zeit vergehen.

Rückschläge gab es bei der abgesagten Stationierung amerikanischer Mittelstreckenwaffen und beim Ende des Kampfflugzeugprojekts FCAS mit Frankreich. Für eine Alternative stehen mehrere Möglichkeiten im Raum, darunter eine Beteiligung an einem anderen internationalen Projekt oder der Kauf weiterer F-35-Kampfflugzeuge. Eine Entscheidung steht noch aus. Deutschland plant außerdem den Erwerb amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper. Sie sollen mit einer Reichweite von rund 2.500 Kilometern eine Fähigkeitslücke schließen. Angaben zu Stückzahl, Kosten und Zeitplan sind nicht öffentlich bekannt.

Luft- und Drohnenabwehr bleiben Baustellen

Beim Ausbau der Luftverteidigung setzt Deutschland auf Iris-T, Patriot und Arrow 3. Die vorhandenen Stückzahlen sind bislang begrenzt. Die Luftwaffe verfügt derzeit über eine Iris-T-Batterie, fünf weitere sollen bis zum kommenden Jahr folgen. Acht zusätzliche Patriot-Batterien wurden bestellt, ein genauer Lieferzeitpunkt ist offen.

Mit Arrow 3 hat Deutschland erstmals ein System zur Abwehr weitreichender Raketen außerhalb der Erdatmosphäre stationiert. Bis 2030 sollen insgesamt drei Systeme voll einsatzbereit sein. Auch bei der Drohnenabwehr bestehen weiterhin Defizite. Der Skyranger 30 soll eine zentrale Rolle in der neu aufzustellenden Heeresflugabwehr übernehmen. Bereits die ersten 19 bestellten Systeme verzögern sich jedoch wegen zusätzlicher Anforderungen der Bundeswehr an die Bewaffnung.

Der geplante Ausbau bleibt damit von mehreren Engpässen abhängig. Personal, Unterkünfte und neue Waffensysteme müssen nicht nur beschafft, sondern auch rechtzeitig in die Truppe integriert werden.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/staerkste-armee-europas-wo-steht-die-bundeswehr-wirklich-accg-201055763.html

Produktgalerie überspringen

Passende Artikel

Dieses Bild zeigt das Produkt Bundeswehrverwaltung
Bundeswehrverwaltung

Regulärer Preis: 167,00 €
Dieses Bild zeigt das Produkt Handbuch für den Kompaniechef
Handbuch für den Kompaniechef

Regulärer Preis: 167,00 €
Dieses Bild zeigt das Produkt Soldatenbeteiligungsgesetz (SBG)
Soldatenbeteiligungsgesetz (SBG)

Regulärer Preis: 334,00 €
Dieses Bild zeigt das Produkt Der Kompaniefeldwebel
Der Kompaniefeldwebel

Regulärer Preis: 167,00 €
Dieses Bild zeigt das Produkt Leitfaden Personalbearbeitung in den Streitkräften
Leitfaden Personalbearbeitung in den Streitkräften

Regulärer Preis: 167,00 €

Ihre Vorteile

Kompetente Beratung durch
unseren Kundenservice

Versandkostenfreie
Bestellung ab 45 €

Kostenloser Praxistest
für Online-Dienste

Rechtssichere
Produkte

Zahlungsarten

Unser Kundenservice

Telefon: 0941 5684-0