Nachhaltigkeit - Was ist das überhaupt?

Zugegeben: Nachhaltigkeit ist kein schönes Wort, eher sperrig und unscharf. Meist wissen bloß wenige etwas damit anzufangen. Woher kommt der Begriff und welche Bedeutung hat er in der heutigen Zeit für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft?

Alles fair und öko-öko

Wald
Der Begriff Nachhaltigkeit ist im Grunde uralt, der Forstwirtschaft entlehnt und gilt seit der legendären Konferenz der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro als Weltretter. Anno 1713 schrieb Hans Carl von Carlowitz von der „nachhaltenden Nutzung“ des Waldes, um den damaligen Schmelzhütten im Erzgebirge das Brennmaterial zu sichern. Sie sollten nur soviel ihrer Energiequelle Holz fällen wie wieder nachwächst. Das erwähnte der sächsische Bergmann in seinem Hauptwerk Sylvicultura oeconomica nur ein einziges Mal. Doch das reichte, um „das Wort Nachhaltigkeit der Menschheit zu übergeben“, wie es beim Deutschen Forstwirtschaftsrat heißt.

279 Jahre später wurde daraus auf dem Weltgipfel in Rio ein globales Programm, nämlich das der „nachhaltigen Entwicklung“ oder sustainable development. Darin heißt es, dass man ökologische, ökonomische und soziale Ziele in Einklang bringen muss, um die Lebensgrundlage des Menschen dauerhaft zu erhalten. Doch mit diesem Leitbild begann auch das Unverständnis darüber, was damit genau gemeint ist, wie man nachhaltiges Verhalten überprüfen und quantifizieren kann. Zehn Jahre nach Rio hatten noch nicht einmal ein Drittel der Deutschen vom Begriff Nachhaltigkeit gehört.

Um den unschönen Begriff endlich zu einem öffentlichen Anliegen zu machen, setzte im April 2001 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen 16-köpfigen Rat für nachhaltige Entwicklung in die Welt. Dessen erster Chef Volker Hauff verstand die Verwirrung nicht. Das N-Wort sei doch etwas ganz Einfaches und Naheliegendes, sagte er: „Intakte Familien, Nachbarschaften oder Lebensgemeinschaften entwickeln Regeln und Werte, die von Rücksicht und Respekt voreinander und vor den gemeinsamen Lebensgrundlagen geprägt sind." Alles klar?

Fachleute bezeichnen Nachhaltigkeit als Amöben- oder Plastikwort. Es lasse sich endlos dehnen und beliebig gebrauchen ­– und gerät dadurch in Misskredit. Unternehmen wirft man Greenwashing vor, wenn sie sich in sogenannten Nachhaltigkeitsberichten als „grün“ vermarkten, den hehren Worten aber kaum Taten folgen lassen. Auch der Fachbegriff Corporate Social Responsibility (CSR) bleibt da oft bloß Worthülse. Doch nicht nur Unternehmen sollen sich nachhaltig entwickeln und nachhaltig handeln.

Nachhaltigkeitsmanager beim Bürgermeister

Mann in Anzug deutet mit Finger auf Bildschirm
Auch den Kommunen kommt bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung zu, weil sich Umweltprobleme und soziale Konflikte nun mal zuerst lokal äußern. Und in der Tat sind nicht wenige Städte und Gemeinden in Deutschland längst auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Zumindest wurde bis zur Jahrtausendwende vielerorts eine „Lokale Agenda 21“ beschlossen, die Nachhaltigkeit mit Leben füllen sollte. Vom Leitbild über ein Maßnahmenprogramm bis hin zur Überprüfung des Erreichten gibt es da vorbildliche Ansätze.

In Deutschlands Umwelthauptstadt Freiburg gibt es gar beim Oberbürgermeister eine Stabsstelle „Nachhaltigkeitsmanager“. Und doch zählt Nachhaltigkeit immer noch nicht zum Allgemeinplatz oder Mainstream. Die kommunale Verwaltung denkt bei „Nachhaltigkeit“ zumeist an den Klimaschutz, an das Einsparen von CO2. Weniger geht es um Frauenförderung, regionale Wirtschaftskreisläufe oder nachhaltige Verkehrspolitik. Und das, was für die Unternehmen die Arbeitnehmerrechte sind, sollte für die Kommunen eine Zusammenarbeit und Beteiligung ihrer Bürger bedeuten – sowie einen Weitblick über den „eigenen Kirchturm hinaus“. Wenn das eines Tages in der Gesellschaft verinnerlicht und verstanden wird, werden wir das hässliche Wortungetüm nicht mehr brauchen, werden Begriffe wie Greenwashing, CSR und eben auch Nachhaltigkeit ausgestorben sein.

Tim Bartels
Redakteur UmweltBriefe

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Der Sammelband enthält die drei Titel
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  • Netzwerke gesellschaftlicher Innovation und
  • Praxis gesellschaftlicher Innovation
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