Gemeinsames Kampfflugzeug von Deutschland und Frankreich kommt nicht zustande
Deutschland und Frankreich wollen den geplanten gemeinsamen Kampfjet im Rahmen des FCAS-Projekts nicht weiterverfolgen. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen sehen Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron keine tragfähige Grundlage mehr für eine Einigung der beteiligten Industrieunternehmen. Einzelne Bausteine des umfassenderen Luftkampfsystems sollen jedoch bestehen bleiben.
Das seit Jahren vorbereitete deutsch-französische Rüstungsvorhaben steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Merz und Macron haben demnach anerkannt, dass sich Airbus und Dassault beim zentralen Bestandteil des Projekts, einem gemeinsam entwickelten Kampfflugzeug, nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen können.?Die Entscheidung betrifft nicht zwangsläufig alle Elemente des Future Combat Air System. Der ursprünglich geplante Kampfjet als gemeinsames Nachfolgemodell für bestehende Flugzeuge beider Länder soll jedoch nicht wie vorgesehen realisiert werden. Spanien ist mit dem Unternehmen Indra ebenfalls an dem Programm beteiligt.
Militärische Anforderungen gehen auseinander
Ein entscheidender Grund für das Scheitern liegt in den unterschiedlichen Einsatzprofilen der Luftstreitkräfte. Frankreich stellt Anforderungen an ein künftiges Flugzeug, die sich aus seiner nuklearen Rolle und dem Betrieb von Flugzeugträgern ergeben. Für die Bundeswehr sind diese Fähigkeiten derzeit nicht maßgeblich.?Deutschland brachte deshalb eine Lösung mit zwei verschiedenen Flugzeugtypen ins Gespräch. Diese Variante fand auf französischer Seite keine Zustimmung.
Neben den militärischen Fragen belasteten auch industriepolitische Konflikte das Vorhaben. Nach mehreren Berichten beanspruchte Dassault eine besonders starke Rolle bei Entwicklung und Steuerung des Projekts. Auf deutscher Seite wurde dagegen auf eine gleichgewichtige Beteiligung der Unternehmen verwiesen.?Die Auseinandersetzung über Zuständigkeiten und Projektanteile hatte das Programm bereits in früheren Phasen verzögert und politisch belastet.
Digitale Vernetzung bleibt Teil der Planung
Nicht aufgegeben werden soll die Zusammenarbeit bei der technischen Vernetzung militärischer Systeme. Dazu zählt die sogenannte „Combat Cloud“, über die Sensoren, Plattformen und Waffensysteme miteinander verbunden werden sollen.?Damit bleibt ein Teil der FCAS-Idee erhalten. Das ursprüngliche Konzept sah ein vernetztes Luftkampfsystem vor, bei dem bemannte Flugzeuge zusammen mit Drohnen und weiteren Komponenten eingesetzt werden. Der gemeinsame Kampfjet war dabei nur ein, wenn auch zentraler, Bestandteil.
Rückschlag für ein europäisches Schlüsselprojekt
FCAS war 2017 von Angela Merkel und Emmanuel Macron angestoßen worden und galt als besonders ambitioniertes Vorhaben europäischer Rüstungskooperation. Bei vollständiger Umsetzung wäre es eines der größten Verteidigungsprojekte Europas geworden.
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/deutsch-franzoesisches-kampfjet-projekt-fcas-gescheitert,VLxnTON