Bundeswehr verzichtet auf Palantir-Software
Die Bundeswehr will beim Aufbau einer militärisch nutzbaren Cloud auf den Einsatz der Software des US-Anbieters Palantir verzichten. Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums, erklärte, ein Einsatz sei derzeit nicht vorgesehen.
Einsatz in der NATO, aber nicht national geplant
Die Softwarelösung Maven von Palantir wird innerhalb der NATO sowie von mehreren Mitgliedstaaten genutzt. Auch die Bundeswehr greift im Bündnisrahmen auf die dort gewonnenen Erkenntnisse zurück. Für eine eigenständige Nutzung innerhalb der Bundeswehr erfüllt die Anwendung jedoch nach Angaben von Daum nicht die erforderlichen Voraussetzungen.
Ein zentraler Aspekt ist dabei der Betrieb der Software. Innerhalb der NATO wird diese durch Mitarbeitende des Unternehmens Palantir betreut. Für nationale Anwendungen schließt die Bundeswehr ein solches Modell aus, insbesondere mit Blick auf den Zugriff auf eigene Datenbestände.
Europäische Anbieter im Auswahlverfahren
Nach Informationen des Handelsblatts hat die Bundeswehr stattdessen zwei deutsche sowie ein französisches Unternehmen ausgewählt. Dabei handelt es sich um Almato aus Stuttgart, das Berliner Start-up Orcrist sowie das Pariser Unternehmen ChapsVision. Deren Lösungen sollen im Sommer getestet werden. Eine Vergabeentscheidung ist für das Jahresende vorgesehen.
Vorbehalte gegen Beteiligung von Peter Thiel
Bereits zuvor hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius Bedenken wegen des US-Investors Peter Thiel geäußert. Hintergrund war dessen Beteiligung am deutschen Drohnenhersteller Stark Defence, der als möglicher Auftragnehmer der Bundeswehr infrage kommt. Thiel hält einen Anteil im einstelligen Prozentbereich an dem Unternehmen.
Das Verteidigungsministerium ließ sich versichern, dass Thiel keinen operativen Einfluss auf das Unternehmen ausübt. In der Folge genehmigte der Bundestag einen Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe, an dem auch Stark Defence beteiligt ist.
Kritik an Palantir und dessen Umfeld
Palantir steht seit Längerem in der Kritik, primär wegen seiner Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen in den USA. Die Software wird unter anderem von der US-Einwanderungsbehörde ICE eingesetzt, die im Auftrag der Regierung Migranten aufspürt und deportieren lässt. Organisationen wie Amnesty International bewerten den Einsatz der Technologie in diesem Zusammenhang als diskriminierend, gefährlich und intransparent.
Diskutiert wird darüber hinaus der Einsatz entsprechender Anwendungen zur Identifikation potenzieller Gefährdungen auch außerhalb militärischer Kontexte, etwa im Umgang mit Migranten und Demonstrierenden.
Zudem bestehen Vorbehalte gegenüber Peter Thiel, der als Mitgründer von Palantir gilt und enge Verbindungen zur US-Politik hat. Seine Rolle wird im Zusammenhang mit technologischen und sicherheitspolitischen Fragestellungen wiederholt kritisch betrachtet.
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-04/palantir-bundeswehr-nato-software-gxe