Bundeswehr stationiert weiteres Arrow-System
Die Bundeswehr treibt den Aufbau ihrer Raketenabwehr voran und bereitet dafür den süddeutschen Arrow-Standort im Raum Kaufbeuren vor. Mit dem System soll eine Lücke in der bodengestützten Luftverteidigung geschlossen werden, um Deutschland und den Luftraum verbündeter Staaten besser gegen ballistische Raketen zu schützen.
Das Radarsystem soll nach Angaben des Bayerischen Rundfunks auf dem Gebiet der Gemeinde Friesenried entstehen. Das Kontrollzentrum und die Startvorrichtungen für die Abfangraketen sind auf dem Lechfeld südlich von Augsburg vorgesehen. Ab 2030 soll das System einen vollständigen Beitrag zum Schutz des deutschen Luftraums leisten. Arrow gehört zu den größten Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr in den kommenden Jahren. Deutschland kauft insgesamt drei israelisch-amerikanische Systeme. Sie sollen feindliche Raketen in großer Höhe erfassen, verfolgen und abfangen. Die Stationierung im Süden ist Teil eines bundesweiten Aufbaus, der neben dem Standort Holzdorf an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt auch einen weiteren Standort im Norden Deutschlands umfasst.
Mit den drei Standorten soll nicht nur Deutschland besser geschützt werden. Der Schutzbereich reicht nach den vorliegenden Angaben auch über angrenzende Staaten wie Polen, Dänemark, Österreich und die Tschechische Republik. Arrow soll zudem in den NATO-Schutzschirm über Europa eingebunden werden und kann Teil der European Sky Shield Initiative werden.
Abwehr außerhalb der Atmosphäre
Das System ist für die Abwehr ballistischer Mittel- und Langstreckenraketen ausgelegt. Es kann anfliegende Flugkörper frühzeitig erfassen, identifizieren und in einer Höhe von mehr als 100 Kilometern abfangen. Damit wirkt Arrow am Rand des Weltraums und ergänzt vorhandene bodengestützte Systeme wie Patriot oder Iris-T SLM, die andere Reichweiten und Einsatzbereiche abdecken.
Entwickelt wurde Arrow von Israel Aerospace Industries gemeinsam mit Boeing. In Israel ist das System bereits im Einsatz. Deutschland bestellte es im September 2023 als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte damals, Arrow werde die deutsche Luftverteidigung zukunftsfähig aufstellen.
Süddeutscher Standort wird vorbereitet
Für den Aufbau des süddeutschen Sensors stellt der Freistaat Bayern ein Grundstück im Staatsforst zur Verfügung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder übergab bei einem Ortstermin auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren eine entsprechende Urkunde an Vertreterinnen und Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums sowie der Luftwaffe.?Die Radaranlage soll nicht auf dem bestehenden Kasernengelände errichtet werden, sondern auf einem höher gelegenen Grundstück.
Für die Umsetzung ist die Bereitstellung des Geländes daher ein wesentlicher Schritt. In Kaufbeuren bestehen bereits Einrichtungen der Luftwaffe, die für die künftige Nutzung modernisiert werden müssen. Für die Region ist die Entscheidung auch standortpolitisch relevant. Der Fliegerhorst Kaufbeuren sollte im Zuge der Bundeswehrreform 2011 geschlossen werden. Nach Jahren der Unsicherheit wurde diese Planung 2021 geändert.
Mit dem Arrow-Sensor erhält der Standort nun eine neue Aufgabe innerhalb der deutschen Luftverteidigung. Nach Angaben von Ministerpräsident Söder sollen so rund 40 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Investitionen am Standort werden mit mehr als 80 Millionen Euro angegeben. Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse begrüßte die Stationierung und sprach von Stabilität für den Bundeswehrstandort. Der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl bezeichnete die Entscheidung als langfristige Absicherung.
Die Stationierung eines Waffensystems wirft in der betroffenen Region auch Fragen auf. Alexander Götz, Hauptabteilungsleiter Aufwuchs im Bundesverteidigungsministerium, kündigte an, die Bundeswehr werde den Austausch mit der Bevölkerung suchen. Befürchtungen im Kontext der Stationierung sollten aufgenommen und Fragen vor Ort beantwortet werden.
Luftverteidigung bleibt im Aufbau
Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren wieder verstärkt in ihre Luftverteidigung investiert. Bis alle neuen Systeme vollständig einsatzbereit sind, wird es jedoch noch dauern. Nach dem Ende des Kalten Krieges war die bodengestützte Luftverteidigung in Deutschland weitgehend reduziert worden. Der Schwerpunkt lag über Jahre stärker auf Auslandseinsätzen. Mit der Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung gewinnt die Fähigkeit zur Abwehr von Luftbedrohungen wieder an Bedeutung. Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Holger Neumann verwies in Kaufbeuren auf den Krieg in Europa und die weltweite Weiterentwicklung ballistischer Raketen. Deutschland müsse auf diese Entwicklung reagieren.
Quellen:
www.br.de/nachrichten/bayern/raketenabwehrsystem-arrow-details-zu-standorten-in-schwaben,VO2Z4Vl
www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/raketenabwehr-arrow-kaufbeuren-100.html