gemeinsam überlegen, wo es nächstes Jahr hingehen soll. Der Mitarbeiter wird er-
neut flüchten wollen. Deshalb raunen Sie in Ihrer authentischsten Mafiosi-Stimme:
„Ich mache Ihnen jetzt ein Angebot, das Sie nicht abschlagen können. Oder auch
zwei. Oder drei.“ Sie werden ihn daraufhin emotional beim Wort nehmen. Sie wer-
den ihn fragen, ob er sich vorstellen kann, das eine oder andere Angebot in Richtung
Selbstverantwortung anzunehmen. Sie werden ihn fragen, wie es ihm damit gehen
wird. Sollten Sie in seiner Körpersprache Widerstände erkennen, zum Beispiel ab-
wehrende Hände oder einen verschlossenen Blick, werden Sie auch dies ansprechen
und ihn erst entlassen, wenn Sie das intuitive Gefühl haben, dass er ehrlich mitzieht.
All das ist anstrengend – für beide Seiten. Doch Sie sind der tiefen Überzeugung, dass
es für beide Seiten erfolgreicher und ehrlicher ist, sich gegenseitig respektvoll auf die
Füße zu treten. Im ersten Moment wird Ihr Mitarbeiter Sie verfluchen, weil Sie par-
tout nicht locker lassen. Später wird er es Ihnen danken, weil Sie an ihn glaubten und
er sich, wenn auch im Schneckentempo, weiterentwickeln konnte. Grinsend werden
Sie ihn mit den Worten verabschieden: „Sie wissen ja, ich habe Sie im Blick. Und
wenn Sie Hilfe brauchen …“.
Auf dem Gang werden Sie anschließend Ihrem Chef begegnen. Er hat zwar wenig
Zeit, wird Sie aber dennoch fragen, wie es Ihnen geht. Sie werden das Gefühl haben,
dass er die wenigen Minuten, die er hat, vollkommen präsent ist. Das ermutigt Sie zu
erzählen, dass das aktuelle Projekt, an dem Sie arbeiten, mit hoher Wahrscheinlich-
keit scheitern wird. Erfreut wird er darüber nicht sein. Dennoch wird er erwidern:
„Schreiben Sie Ihre Bedenken auf und kommen morgen damit zu mir. Aber wapp-
nen Sie sich! So leicht werde ich das Projekt nicht aufgeben.“
Auf dem Weg in Ihr Büro werden Sie an das nächste Mitarbeiterjahresgespräch
denken. Morgen steht Ihnen ein Querulant bevor. Schön, werden Sie sich denken,
ein kleiner Adrenalinstoß zu früher Stunde wird mir helfen, zackig in den Tag zu
kommen. Vielleicht brauche ich dann eine Tasse Kaffee weniger. Mal sehen, ob ich
morgen etwas Neues über mich lerne. Mal sehen, wie ich ihn aus der Reserve locke.
Vielleicht mit ein wenig provokantem Humor. Vielleicht braucht er aber auch ein
paar klare Ansagen. In jedem Fall werden wir einen netten Schlagabtausch zusam-
men haben.
Theoretische Prämissen
Sollten Sie sich für Vision 1 entscheiden, rate ich Ihnen, dieses Buch schnellstens
zurückzugeben oder zu verschenken. Sollte Vision 2 einen Reiz auf Sie ausüben,
möchte ich drei Prämissen zur besseren Einordnung dieses Buches vorweg schicken:
WIE SOLL FÜHRUNG IN ZUKUNFT AUSSEHEN?
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