Internationales Recruiting als Baustein der Personalstrategie
14
www.WALHALLA.deBildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Drittens:
Wer Vielfalt großschreibt, positioniert sich als moderner Arbeit-
geber. Nicht umsonst schmücken sich große Wirtschaftsunterneh-
men mit sogenannten „Diversity Managern“, also Mitarbeitern, die
dafür sorgen sollen, dass sich die Belegschaft möglichst bunt zu-
sammensetzt und dabei keine Reibungsverluste entstehen. Gerade
bei der Generation Y, den heute knapp über Dreißigjährigen, die
als erste Generation mit digitalen Medien aufgewachsen sind und
Globalisierung als Naturzustand begreifen, kommt das gut an. Vier-
tens: Multikulti ist sowieso schon längst in deutschen Sozial- und
Gesundheitseinrichtungen angekommen. Der Anteil von Patienten
mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen nehme zu, betont
die Diakonie Deutschland in ihrem Strategiepapier „Arbeitsmigra-
tion und Pflege“: „Hier bringt Pflegepersonal mit internationalem
Hintergrund wichtige Erfahrungen für die Gestaltung des Pflege-
prozesses ein. Gerade älter werdende Eingewanderte wünschen eine
Pflege, die ihre mit ihrem Herkunftsland verbundene Identität sowie
daraus erwachsende Bedürfnisse berücksichtigt.“
Doch trotz der genannten und vieler weiterer Argumente über-
wiegt im Sozial- und Gesundheitswesen die Skepsis. Arbeitgeber
der Branche zögern beim Thema internationales Recruiting genau-
so wie beim Social Recruiting (Personalgewinnung in den sozia-
len Netzwerken) oder beim Active Sourcing (Direktansprache von
Pflegekräften in Karrierenetzwerken und Lebenslaufdatenbanken).
„Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten, adäquates Personal zu
gewinnen, ist die Rekrutierung aus dem Ausland nur das letzte Mit-
tel der Wahl“, resümiert die Bertelsmann-Studie „Internationale
Fachkräfterekrutierung in der deutschen Pflegebranche“. „Gerade
einmal ein Sechstel der Betriebe wählt diesenWeg. ImOsten Deutsch-
lands sind es sogar noch weniger. Lieber werben die Einrichtungen
Personal von der Konkurrenz ab oder versuchen, den Krankenstand
zu senken. Zu aufwendig, zu teuer, zu hohe rechtliche und sprach-
liche Hürden lauten die Begründungen für die Zurückhaltung.“ In
Zahlen: 16 Prozent der in 2015 befragten Pflegeeinrichtungen rek-
rutierten aus dem Ausland, 41 Prozent konnten sich vorstellen, dies
in Zukunft zu tun, und 59 Prozent lehnten diese Methode aus
genannten Gründen ab. Doch die Argumentation „zu kompliziert,
zu teuer, zu aufwendig“ hinkt. Bei keinem der Pioniere, die heute
erfolgreich internationales Recruiting betreiben, waren von Anfang
an ausreichend Geld, Zeit und Know-how vorhanden. Die Programme




