Table of Contents Table of Contents
Previous Page  13 / 22 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 13 / 22 Next Page
Page Background

Internationales Recruiting als Baustein der Personalstrategie

www.WALHALLA.de

13

schreibt die Stiftung: „[Der Kodex] empfiehlt, auf die Rekrutierung

aus bestimmten Ländern zu verzichten, will aber gleichzeitig das

Recht der Fachkräfte auf internationale Mobilität nicht beschrän-

ken.“ Das passe nicht zusammen, heißt es auch im Strategiepapier

„Arbeitsmigration und Pflege“ der Diakonie Deutschland: Arbeits-

migration gehöre zur Menschheitsgeschichte ebenso wie zu den

Menschenrechten. Laut genanntem Strategiepapier wird der Kodex

sowieso fehlinterpretiert. Er untersage keineswegs grundsätzlich

die Anwerbung aus den gelisteten Ländern, sondern fordere nur,

dass beide Seiten profitieren sollen: das Herkunfts- und das Ziel-

land. Wer entwicklungsfördernde Projekte vor Ort unterstützt und

Fachkräften, die dies wünschen, eine geordnete Rückkehr in die

Heimat ermöglicht, könnte den Forderungen möglicherweise schon

gerecht werden. Einen weiteren Aspekt bringt Jessica Hernández

von der Unternehmensberatung contec, die an der Bertelsmann-

Studie „Internationale Fachkräfterekrutierung in der deutschen

Pflegebranche“ mitgewirkt hat, ins Spiel: „Der Verhaltenskodex der

WHO steht in Fachkreisen in der Kritik, weil die Empfehlungen auf

teils sehr veralteten Zahlen beruhen. Aus Indien sollen wir beispiels-

weise nicht rekrutieren, weil es dort weniger als die durchschnitt-

lichen 2,28 Ärzte, Pfleger und Hebammen pro 1.000 Kopf der Bevöl-

kerung gibt, doch die Berechnungen beruhen auf Zahlen von 1996.

Der Grenzwert wurde aus dem Jahr 2006 übernommen. Zwischen

Ländern, aus denen rekrutiert werden darf, und Ländern, aus de-

nen nicht rekrutiert werden soll, bestehen teils nur minimale Unter-

schiede.“ An diesem Beispiel zeigt sich symptomatisch, wie die Be-

mühungen offizieller Stellen, für mehr Orientierung auf dem Feld

der Arbeitsmigration zu sorgen, eher mehr Verwirrung stiften.

Den Vorbehalten gegenüber stehen die Chancen, die das interna-

tionale Recruiting eröffnet. Sie gehen weit über die Möglichkeit,

vakante Arbeitsplätze zu besetzen, hinaus. Erstens: Wer legale Wege

der Arbeitsmigration schafft, wirkt ihren illegalen Auswüchsen ent-

gegen. Zweitens: Wer Multikulti wagt, entwickelt sich als Arbeit-

geber weiter und macht sein Unternehmen zukunftsfähig. „Eine

vielfältige Belegschaft vereint umfangreiches Wissen mit unter-

schiedlichen Sichtweisen, Erfahrungen und Lösungswegen. Diese

Vorzüge sind eine Quelle für mehr Flexibilität, Kreativität und Inno-

vationsfähigkeit sowie für die Verbesserung von Prozessen und

die Steigerung der Produktivität“, schreibt Matthias Schneider im

Leitfaden „Nachhaltige internationale Personalgewinnung“ des