Bewerbung & Karriere

Wie kann ich mit einem Headhunter zusammenarbeiten?

DOs & DON‘Ts in der Kommunikation

Für Unternehmen ist der Sommer eine gefährliche Zeit. Mitarbeiter haben mehr Zeit zur Reflexion und manche nutzen die ruhigen Monate für eine Neuorientierung. Somit zählen Arbeitgeber nach den Sommerferien häufig „die Verluste“ und müssen gegensteuern. Oft helfen hier Personalberater. Wenn diese nicht (nur) mit Unterstützung von Anzeigen arbeiten, werden sie im Volksmund auch „Headhunter“ genannt. Die Jagdsaison ist eröffnet!

Headhunter und ihre Zielgruppen

Wer vor einigen Jahren noch von „Executive Search Consultants“ gesprochen hat (so nennt sich der Berufszweig bevorzugt selbst), hatte einen exklusiven Berufsstand vor Augen. Dieser suchte Mitarbeiter ab einem sechsstelligen Jahresgehalt. Die Zeiten sind vorbei, denn die Anzahl der Headhunter hat sich inzwischen stark vermehrt. Und mit der Ausweitung der Personalberater hat auch die Segmentierung zugenommen. Natürlich gibt es sie noch: die Grandseigneurs, die bevorzugt Vorstandspositionen besetzen ebenso wie die Premium-Headhunter, die nicht unter einem Erfolgshonorar von mehreren zehntausend Euro tätig werden.

Unterhalb dieser auserlesenen Gruppen befinden sich jedoch auch viele Berater, die Fachexperten und Führungskräfte für das mittlere Management rekrutieren. Sie spezialisieren sich auf eine Gehaltsebene von 80.000 bis 100.000 Euro. Andere Consultants fokussieren sich sogar auf ein Segment, das noch 20.000 Euro darunter liegt. Hier wird die Dienstleistung aber häufig oberflächlicher erbracht. Der Berater ist nicht bei allen Gesprächen dabei und dem potentiellen Kandidaten wird kein elitärer Eindruck vermittelt.

Die Kontaktaufnahme

Seien Sie also nicht erstaunt, wenn der Headhunter bei Ihnen klingelt. Vor 10 Jahren hat sich jemand vielleicht die Frage gestellt, wie der Personalberater ihn gefunden hat. Heute ist die Suche demokratisiert. Exklusive Datenbanken werden von Kandidatenprofilen bei XING oder LinkedIn ergänzt. Darüber hinaus gibt es die Lebenslaufdatenbanken bei Monster, StepStone, Experteer, Placement24 & Co, die nur Headhuntern und Personalleitern zugänglich sind.

Wie sollten Sie sich einem Personalberater gegenüber benehmen? Wenn Sie grundsätzlich für eine Ansprache offen sind, geben Sie sich interessiert und auch auskunftsbereit. Meistens wir der Headhunter mit Ihnen ein Telefonat zu einem passenden Zeitpunkt vereinbaren. Planen Sie dieses nicht in der Mittagspause ihres Arbeitstags und ebenso wenig abends zuhause, wenn Ihre vier Kinder noch nicht im Bett liegen. Schauen Sie, dass Sie ungestört sind. Für den Fall, dass ein Skype-Meeting ansteht, achten Sie außerdem auf Ihr Äußeres, das Licht und den Hintergrund.

Wie geht es weiter?

In einem ersten Telefonat werden meistens die Rahmenbedingungen abgesteckt. Branche, Position und… Gehalt. Vor einigen Jahren galt es als „unfein“, die monetären Aspekte zu früh anzusprechen. Mittlerweile ist diese Rücksichtnahme jedoch dem Pragmatismus gewichen. Warum viel Zeit miteinander verbringen, wenn man schließlich doch nicht zusammenfindet? Es ist nicht unüblich, dass im ersten Gespräch auch der Arbeitgeber erwähnt wird. Vielfach erhält der Kandidat am Ende des Telefonats das Profil, das den Suchauftrag dokumentiert.

Nächste Schritte sind – üblicherweise – ein persönliches Treffen mit dem Headhunter sowie das Gespräch mit dem Auftraggeber. Hier steht der Headhunter steuernd zur Seite. Selten zählt für den Personalberater nur der Abschluss. Selbstverständlich erhält dieser dann sein Erfolgshonorar, doch sein Ziel ist eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber. Deshalb wird er Sie gut auf das Gespräch vorbereiten. Er macht sich im Vorfeld auch über die „Passung“, neudeutsch das „Matching“, Gedanken. Passen Kandidat, Team, Führungskraft und Unternehmenskultur auch wirklich zusammen? Auf den Sympathiefaktor hat er aber natürlich keinen Einfluss. Zwar ist der Berater Ihr Partner, allerdings zählen für ihn vor allem die Bedürfnisse des Auftraggebers.

Initiative Kontaktaufnahmen mit Headhuntern?

Mittlerweile ist es ebenfalls legitim, dass Sie sich proaktiv mit einem Personalberater in Verbindung setzen. Versenden Sie aber auf keinen Fall wahllos Ihre Unterlagen an jede Adresse, denn dann ist es sicher, dass Sie Ihren Namen verbrennen.

Wenn Sie jedoch zuerst recherchieren, z.B. bei Experteer, der BDU-Beraterauswahl oder Headhunter-Datenbanken im Internet, finden Sie eine Überscheidung der Branchen- und Fachbereichsspezialisierung. Und wenn sich der Headhunter dann noch in Ihrer Gegend befindet, können Sie davon ausgehen, dass dieser Firmen in Ihrer Region betreut. Ihr Werdegang sollte überzeugen und exzellent dokumentiert sein, betonen Sie individuelle Erfolge. Wenn Sie dann nicht „fordern“ (Sie können einen Headhunter ohnehin nicht „beauftragen“), sondern bitten, dass dieser Ihr Profil mit den Suchaufträgen der Mandanten abgleicht, können Sie von einer korrekten Rückmeldung ausgehen.

Vorsicht: Erfolg ist Glückssache

Überschätzen Sie die initiative Kontaktaufnahme eines Headhunters jedoch nicht. Viele erledigen deutlich weniger als 10 Suchaufträge pro Jahr. Der Arbeitgeber hat jeweils deutliche Suchkriterien vorgegeben, die in diesem Fall – im Gegensatz zu einer öffentlichen Ausschreibung (Stichwort: AGG) – erlaubt sind. So benötigen Sie viel Glück, wenn Sie über diesen proaktiven Weg einen  neuen Arbeitgeber finden. Als eine der Strategien in einer Phase der Neuorientierung bietet sich dieser Weg aber jeden Fall an.


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

WALHALLA Newsletter

Sie wollen immer gut informiert bleiben?
Melden Sie sich zu Ihrem gewünschten Thema an.

Jetzt anmelden!

Seminarprogramm 2018/2019
Blog Fokus Pflegerecht
Whitepaper - Jetzt kostenlos downloaden!
Aktuelles Straßenverkehrsrecht
Aktuelles Straßenverkehrsrecht
Aktuelles Waffenrecht
Aktuelles Waffenrecht