Bewerbung & Karriere

Qualifikation und ein Quäntchen Glück

...wie beides zusammengehört und was das für uns bedeutet

Es scheint eine typisch deutsche Gewohnheit zu sein, den eigenen Erfolg der individuellen Leistung zuzuschreiben. Hier werden häufig preußische Tugenden genannt: Fleiß, Durchsetzungsstärke und Beharrlichkeit führen zum Ziel. Der Antrieb für die Karriere ist somit der eigene Einsatz.

Viele behaupten sie hätten mehr, länger und besser gearbeitet als andere und dass dies der Auslöser für die Position, die sie innehaben, gewesen sei. Wenn sich diese Personen in einer Phase der Neuorientierung befinden gehen sie davon aus, dass ihre Qualifikation auch die weitere Karriere bestimmt.

Die Relativität der Qualifikation im Bewerbungsverfahren

Dies scheint aber nur selten so zu sein, denn schnell stellt sich die Frage, wodurch sich ein Kandidat positiv von anderen unterscheidet. Ist es der akademische Abschluss? Die folgenden hierarchischen Stellungen? Die Geschwindigkeit der Karriere? Budgetverantwortung? Einzelne Erfolge und Ergebnisse? Oder spielen doch die weichen Faktoren wie Charisma, Überzeugungskraft und Kommunikationsgeschick eine Rolle? Führungskompetenz? Die Fähigkeit die richtigen Mitarbeiter einzustellen, sie aufzubauen und zu halten?

Zunehmend relativieren Führungskräfte den eigenen Anteil am Erfolg. Sie schreiben ihn zwar nicht dem „Zufall“ zu. Aber sie verstehen, dass ihre Kompetenz neben der von 43 Millionen anderen Erwerbstätigen nicht einzigartig herausragt. Diese Personen legen das Gewicht vielmehr auf die richtige Konstellation: Sie waren da, als sich Chancen ergaben und wurden oft gefördert. Jemand im Unternehmen bot Möglichkeiten, die sie wahrgenommen und in ein positives Ergebnis umgewandelt haben.

Abgewiesene Berühmtheiten

Für eine Reihe berühmter Persönlichkeiten fing der Berufsweg zunächst mit Ablehnung an: Steven Spielberg wurde mehrfach an der Filmakademie abgelehnt. Joanne Rowling und Stephen King hatten beide dreißig Mal ihre Manuskripte eingereicht, bevor sie akzeptiert wurden.

Was ist auf uns übertragbar? Jemand sagte einmal: „Wer nicht spielt, kann im Lotto nicht gewinnen!“ Das bedeutet also erstens: Wir müssen dabei sein. Wer in der Phase einer beruflichen Neuorientierung nicht aktiv ist, kann keine Erfolge erleben. Zweitens heißt ein Misserfolg nicht, dass wir Versager sind. Auch wenn wir bei den ersten neun Unternehmen eine Absage erhalten, kann die zehnte Firma mit uns ganz glücklich sein.

Gute Gründe zum Durchhalten

Natürlich ist es schwierig, bei der neunten Ablehnung nicht Rückschlüsse auf die eigene Qualifikation zu ziehen. Dennoch kann es viele Gründe geben, warum wir den Zuschlag nicht erhalten: Das „falsche“ Geschlecht. Zu „alt“. Zu unerfahren. Zu teuer. Zu spät ins Bewerbungsverfahren eingestiegen. Dann gibt es Sympathiegründe. Oder auch mögliche Rivalitäten, die vermieden werden und viele Begründungen mehr.

Besser ist es, den Kopf frei zu haben und jede Bewerbung als die erste zu betrachten. Denn bei der zehnten bringen wir vielleicht die Branchenerfahrung mit. Unsere Unterlagen landen bei der richtigen Person. Wir überzeugen mit unserer Persönlichkeit und erhalten eine Einladung. Im Interview entdecken wir, dass die Bausteine unseres Lebens mit den Anforderungen des Arbeitgebers zusammenpassen.

Positiv bleiben!

Und wenn dies bei der dreißigsten oder bei der fünfzigsten Bewerbung geschieht – es hätte auch der Erstkontakt sein können. Der erste Verlag hätte die Erfolgschancen Harry Potters positiv einschätzen und Joanne Rowling unter Vertrag nehmen können. Vielleicht wäre sie dann der Meinung gewesen, ihre Einzigartigkeit hätte zum weltweiten Ruhm geführt. Nun hat sie auf dem Weg von der Sozialhilfeempfängerin zu ihrem derzeitigen Status festgestellt, dass der Weg zum Erfolg – trotz einer Genialität – nicht selbstverständlich ist. Eine Ermutigung – und ein Appell, das Gelingen der eigenen Vorhaben jeden Tag für möglich zu halten!


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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