Bewerbung & Karriere

Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum (Einstein)

Diese Aussage Einsteins brachte mich Anfang 2015 zum Schmunzeln.

Andere behaupten dagegen: Wer nicht weiß wohin er will, soll sich nicht wundern wenn er nirgendwo ankommt. Dieser Ausspruch mag drastisch erscheinen, denn jeden Tag geht die Sonne auf. Also landen wir irgendwo – und vielleicht sind wir ganz zufrieden mit der Führung des Lebens. Es ist aber menschlich, dass wir in Augenblicken der Selbstreflexion überlegen, wie wir unser Leben gestalten möchten. Wir haben Wünsche und Träume, dazu ein Potenzial, diese zu realisieren.

Dr. Arnold Weissman, Professor in Regensburg für Unternehmensführung, stellte bereits früh in seiner Karriere fest, dass Unternehmen zum Ziel haben, erfolgreicher zu sein als der Durchschnitt der Branche. Firmen, die diese Zielsetzungen noch mit Aktionsplänen verbinden, übertreffen die beiden anderen Kategorien bei weitem.

Aber auch im Privaten führt die Zieldefinition zum Erfolg. Auch wenn Erfolg hier lediglich monetär gemessen wurde (und somit natürlich nichts über die Zufriedenheit aussagt), verdienten Personen, die wissen, was sie erreichen wollten, dreimal mehr als die Kontrollgruppe ohne Pläne. Und auch hier: Menschen, die Ziele mit entsprechenden Maßnahmen verbanden, verdienten zehnmal mehr als die Gruppe ohne Planung. Dabei handelte es sich um eine Langzeitstudie von Hochschulabgängern derselben Universität.

Warum planen wir nicht? Wer nicht plant, kann auch nicht enttäuscht werden! Das zeugt aber von einer recht defensiven Lebenshaltung. Gleichzeitig erleben wir dann aber auch nicht die Freuden, sollte unser Vorhaben gelingen. Natürlich ist Planung anstrengend. Und manchmal wissen wir vielleicht gar nicht, wie wir diese anstellen sollen. Daher – am Anfang des neuen Jahres – eine kurze Wiederholung der Basics:

Halten Sie Wünsche und Träume für die wichtigsten Lebensbereiche fest. Schreiben Sie doch mal auf, welche Bilder in Ihnen hochkommen, wenn Sie über Ihre Lebensträume nachdenken. Damit nicht alles Mögliche hoch poppt, lohnt es sich, dass Sie die Gedanken etwas kategorisieren. Mein Vorschlag:

  • Beruf
  • Familie
  • Privat

Listen Sie unter Privat noch folgende Punkte auf:

  • Hobby
  • Freizeit
  • Persönliche Entwicklung
  • Essen, Trinken, Sport
  • Spiritualität, Sinngebung

Malen Sie nun jeweils ein Kästchen für die kommenden fünf Jahre, angefangen bei Ihrem jetzigen Alter. Tragen Sie nun die obigen Bilder irgendwo ein. Wenn der Traum zu verschwommen ist, machen Sie ihn messbar.

Als Nächstes schauen Sie „was Sie an Bord haben“. Was bringen Sie mit, damit Sie Ihre Wunschvorstellungen realisieren können? Hier helfen folgende Kategorien:

  • Stärken, Kompetenzen, Fähigkeiten (Was können Sie gut?)
  • Motivation (Was macht Ihnen Spaß?)
  • Werte (Was ist für Sie sinnvoll?)

Wenn Sie nun wissen, was Sie erreichen wollen, konzentrieren Sie sich auf den Zeit-Abschnitt, der am nächsten liegt. Ihre Werkzeuge haben Sie aufgeführt. Nun überlegen Sie wie Sie diese Tools einsetzen können. Was sind Ihre Strategien für das nächste Jahr, damit Ihre Wunschvorstellungen verwirklicht werden?

Halten Sie diese nun schriftlich fest. Im Idealfall schauen Sie diese regelmäßig, z.B. monatlich, an. Aber auch wenn nicht, können Sie davon ausgehen, dass die Weichenstellungen Sie durch das Jahr hindurch begleiten werden. Die Kontrolle findet dann in einem Jahr statt, wenn Sie Ihre Ziele mit der Realisierung überprüfen.

Warum sind die ruhigen Tage „zwischen den Jahren“ so wertvoll? Normalerweise werden wir vom Dringenden getrieben und haben den Kopf nicht frei für Zusatzarbeiten, bei denen wir Abstand zum Alltag benötigen. Ziehen Sie sich somit einfach für einige Stunden mit einem Blatt Papier zurück und entdecken Sie, dass Planung den Abenteurer in Ihnen zum Leben erweckt. Ich wünsche Ihnen dabei viel Spaß und Erfolg!


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.