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Dazu gehört beispielsweise auch, möglichst wenig Filme und Songs zu strea-

men. Lieder, die man häufiger hört, sollte man besser downloaden und lokal spei-

chern, schreiben Lange und Santarius: „Viele Apps greifen ständig auf Clouds

zurück, würden aber offline ähnlich gut funktionieren.“ Sie sehen die Gefahr, dass

wir den vermeintlichen Segen der Digitalisierung, eben mehr Zugang zu Infor-

mationen und auch mehr Zeitersparnis, wieder zunichte machen durch Mehrkon-

sum, mehr Verkehr und mehr Energieverbrauch. Deshalb, empfehlen sie, sollte

auch für Bits und Bytes immer gelten: So wenig Digitalisierung wie möglich, so viel

wie nötig.

Der Mensch kann vieles besser als Algorithmen. „Wir können uns Zukünfte aus-

denken, die allen bisherigen Erfahrungen widersprechen“, sagt der Technikfolgen-

abschätzer Armin Grunwald. Schließlich stammten alle Daten, die ein Algorithmus

analysiert, aus der Vergangenheit. Überdies können Menschen aus einer Routine

ausbrechen. Grunwald nannte der ZEIT folgendes Beispiel: „Wenn ein Botenrobo-

ter eine kollabierte Person auf dem Weg wahrnimmt, fährt er drum herum; ein

menschlicher Postbote würde aber zu helfen versuchen und den Notarzt rufen.“

Der Singer-Songwriter Nick Cave sagt das so: KI habe nicht die Fähigkeit, ein Lied

zu erzeugen, in dem wir „die menschliche Begrenztheit hören und den Wagemut,

sie zu überschreiten“. Denn Menschen bleiben selbst in der Wunderwelt der Digita-

lisierung analoge Lebewesen, die in einem analogen Austausch mit Naturressour-

cen existieren. Die Digitalisierung sei ja keine Naturgewalt, betonen auch die wis-

senschaftlichen Regierungsberater vom WBGU, sondern eine von Menschen

vorangetriebene Entwicklung.

Tim Bartels

TIM BARTELS

ist seit der Jahrtausendwende Chefredakteur der UmweltBriefe. 2016 entwi-

ckelte der studierte Biologe, Ökotoxikologe und Wissenschaftsjournalist das

Nachhaltigkeitsmagazin N-Journal. Für das Jahrbuch führte er vier Exper-

teninterviews.

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