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die Digitalisierung eher verschlafen“, sagt Arbeitsmarktforscherin Melanie Arntz

(siehe das Interview auf Seite 50). Um Digitalisierung umzusetzen, sagt die Wissen-

schaftlerin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), müsse man

gerade in einem mittelständischen oder kleineren Unternehmen bereit sein, „sich

noch mal neu zu definieren, weil diese Prozesse manches auf den Kopf stellen“.

Doch kann die Digitalisierung auch zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen

beitragen? Können Computeralgorithmen der Transformation der Gesellschaft auf

die Sprünge helfen und die Welt von morgen sozial gerechter und ökologisch nach-

haltiger machen? Da mag es noch endlos viele Fragezeichen geben, zumindest so-

viel ist klar: Ohne Bits und Bytes geht es nicht.

Um beispielsweise den Umstieg auf 100 Prozent nur schwankend verfügbare

erneuerbare Energien zu ermöglichen, sind digitale Tools unverzichtbar. Und auch

die ressourcenschonende „Sharing Economy“, also Carsharing, Bikesharing, Rides-

haring (Fahrgemeinschaften mit privatem Pkw), Couchsurfing (kostenlose Unter-

kunft auf Reisen) oder Foodsharing würden ohne Digitalisierung ja nicht funktio-

nieren.

Von einem gelungenen Beispiel im Bäckereihandwerk, wie nämlich eine einfache

IT-Lösung den täglichen Brot- und Backwarenabfall gering hält, berichtet unser

Autor Bernward Janzing (siehe seinen Beitrag auf Seite 18): „Das Programm greift

auf 400 historische Verkaufstage der einzelnen Filialen zurück und bezieht zahlrei-

che Einflussfaktoren, wie auch das Wetter und Feiertage, mit ein. So ergeben sich

Prognosen des Warenbedarfs, die besser sind als jedes Bauchgefühl eines Disponen-

ten.“ Indem also Produktion und Verkauf besser aufeinander abgestimmt werden,

können hohe Retourquoten gesenkt werden. Es gebe Bäcker, die damit von zwanzig

auf nur noch zwölf bis fünfzehn Prozent Brotüberschuss runterkommen, heißt es

beim Softwareanbieter Sancofa. Entsprechende Programme nutzten unter den fast

11.700 Bäckereien hierzulande bisher allerdings erst 50 Betriebe, schätzt die Firma.

Ein anderes Beispiel ist die Wasserwirtschaft. Für das in Deutschland am besten

kontrollierte Lebensmittel sind rund 6.000 Unternehmen zuständig, in der Mehr-

zahl im Regie- und Eigenbetrieb der Kommunen. Diese Unternehmen seien „an

sich schon sehr digital unterwegs“, heißt es im Beitrag der Zuse-Gemeinschaft

(siehe Seite 34/35), „denn in ihrer täglichen Arbeit haben sie es aufgrund notwendi-

ger Qualitätskontrollen mit einem hohen Datenaufkommen und dessen Verarbei-

tung zu tun, etwa bei der Messung von Temperaturen, Drücken und Wasserqualitä-

ten“. Zwar warnt die Wasserwirtschaft wegen des Zustands des Kanalnetzes immer

wieder davor, Wasser zu sparen. Doch zumindest die smarte Welt muss auch suffi-

zient gelingen. Sonst lassen sich die Effizienzpotenziale nicht heben. Und das

meint nun mal: weniger verbrauchen!

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VORWORT

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