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Analoger Austausch in einer digitalen Welt

Ob solcherart Text bald von Algorithmen geschrieben wird? Schon heute werden ja

Sport- und Börsennachrichten automatisiert verfasst. Warum also nicht auch Edito-

rials? Schätzungen zufolge soll die Künstliche Intelligenz, kurz KI, in naher Zu-

kunft 90 Prozent aller Zeitungsartikel übernehmen können. Von Menschenhand

(und Menschengeist) geschaffener Journalismus also bald perdu? Roboter überneh-

men Fabriken, Postboten werden durch Drohnen ersetzt, Bus- und Brummifahrer

durch selbstfahrende Autos. Durch die Digitalisierung stehen allerorten Jobs auf

dem Spiel. Es gibt so gut wie keine traditionellen Branchen, in der nicht bereits Ar-

beitsplätze verschwunden sind oder für die das prophezeit wird. Auch der routinier-

ten Schreibtischarbeit im Büro droht die Rationalisierung.

Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2017 sieht sich

hierzulande durch das Zusammenspiel von Datenerfassung, Vernetzung, KI und

Robotik jedes vierte Unternehmen mit mehr als zwanzig Mitarbeitern in seiner

Existenz bedroht. Wie ein ganzer Wirtschaftszweig bereits in die Knie gegangen ist,

beschreiben die beiden Berliner Wissenschaftler Steffen Lange und Tilman Santa-

rius in ihrem Buch „Smarte Grüne Welt?“ sehr anschaulich anhand der Fotoindus-

trie. Kaum noch jemand kauft sich heutzutage eine Kamera, weil deren Funktion

das Smartphone übernommen hat. Dessen geschossene Fotos lässt auch kaum noch

jemand in Fotoläden oder Drogerien entwickeln. Vielmehr bleiben sie oftmals Bits

und Bytes, wandern ins Internet und werden bei Instagram eingestellt. Oder in

geringem Maße daheim ausgedruckt. Die Folge: Eine ganze Industrie und viele

Arbeitsplätze, die noch in den 1990er Jahren an der Entwicklung der Bilder hingen,

sind im Zuge der Digitalisierung verloren gegangen. Doch Arbeit 4.0 bedeutet ja

nicht automatisch Jobvernichtung, sondern eben auch das Gegenteil: Das Entste-

hen neuartiger Tätigkeiten im Umgang mit Rechnern. Beispielsweise in der Pro-

grammierung, Konstruktion und Instandhaltung.

Wie reagieren die Unternehmen darauf? Viele harren offenbar der Dinge, die da

kommen. „Wir haben einen ganz großen Anteil von Unternehmen, die momentan

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