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finanziert, steckt sein Herz vielleicht nicht mit drin. Wenn ein DJ super vorbereitet

ist und seine Playlist perfekt vorbereitet hat, vermisse ich vielleicht die Spontaneität,

oder es fehlt ihm die Empathie, um auf das Publikum eingehen zu können. Wenn

einer kein klares Standing hat, fällt ihm jede Entscheidung schwer, und damit fehlt

ihm die Leichtigkeit, die die Menschen mitreißt. Wenn einer seiner Intuition für die

richtigen Songs nicht folgt oder nicht den Mut hat, ihr zu vertrauen, wird er keine

eigene Marke. Und wenn einer Mucke spielt, auf die er nicht auch selbst feiern mag,

ist einfach keine Energie drin.

Ich denke, ich bin so erfolgreich und im Endeffekt auch so machtvoll, weil ich

meinen Job eben nicht wegen der Macht mache. Und damit erkläre ich mir auch die

„gute“ und die „böse“ Macht ein Stück weit: Setzt einer seine Macht ausschließlich

des Machtgefühls wegen ein, ist er nicht auf den allgemeinen Nutzen seiner Macht

ausgerichtet. Das ist für mich dann eher die „böse“ Macht, vor der ich mich echt in

Acht nehme. Nutzt einer seine Macht jedoch um der Wirkung willen, fühlt er sich

durch die Erfahrung der Wirkung „high“ und eben nicht aufgrund der persönlichen

Ausübung von Macht. Das ist für mich „gute“ Macht. Wenn ich das Set nach und

nach stabil aufbaue und die Stimmung geplant hochbringe, kann ich Songs spielen,

die praktisch noch keiner kennt. Sagen wir mal: vielleicht kennen 20 von 2000 Gäs-

ten sie. Wenn ich es richtig mache, gehen 2000 Leute so ab, als ob dies der absolute

Hit wäre. Damit kreiere ich durchaus bewusst Hits. Diese Macht macht meinen Job

wertvoll für Auftraggeber und Gäste zugleich.

Im Radio sind die Mittel andere. Wenn ich mir vorstelle, dass mich heute viele

einfach unterwegs auf dem Ohr dabeihaben, weiß ich, dass mir die Macht der sozia-

len Medien und des Internets zusätzlich in die Karten spielt. Hier kann ich kaum

spontan auf die rund 330 000 DASDING-Hörer reagieren, es sind völlig andere

Hebel als bei Auftritten gefragt. Es ist an mir, die Menschen beim Zuhören auf der

Straße, vor den Autoradios oder zu Hause am Live-Stream richtig einzuschätzen –

was ihnen guttut, was sie derzeit brauchen. Die Einflüsse verschiedener Musikrich-

tungen auf mich helfen mir, die richtige Mischung zu finden, die Stimmung zu vari-

ieren und die Arbeit auf den Punkt zu bringen. Gerade beim Job des DJs, egal ob im

Club oder Radio, ist es am Ende das Ergebnis, das zählt: Habe ich den Gästen oder

Zuhörern eine geile Zeit verschafft? Darauf kommt es an. Das schaffe ich nur, wenn

ich total authentisch bin und auch so rüberkomme. Ich tue in jedem Moment ganz

ehrlich das, was sich richtig anfühlt. Genau das ist mein Motto, das ich dir als Leser

sehr gerne mitgeben möchte: „Be yourself!“

DJ Damian

www.djdamian.com

Vorwort von DJ Damian

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