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Grußwort der Leiterin des Jugendamts Hanau

www.WALHALLA.de

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Parallel wurde eine Erörterung von Prof. Dr. Bringewat veröffent-

licht, aus der die strafrechtliche Komponente bei der Fallbearbeitung

im Jugendamt verdeutlicht wurde, die sogenannte Garantenhaf-

tung

2

. Verkürzt dargestellt beinhaltete diese, dass Bezirkssozialarbei-

ter_innen strafrechtlich auch dann haftbar gemacht werden können,

wenn ein Kind trotz eingeleiteter Erziehungshilfe durch Misshand-

lung zu Schaden kommt. Die Kolleg_innen waren vom damaligen

Jugendamtsleiter aufgefordert, die Garantenhaftung als berufliches

Selbstverständnis zu internalisieren.

Kurz vorher erfolgte die Projektvorstellung FiM durch den dama-

ligen Leiter des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes, Rüdiger Jährling,

in der Dienstbesprechung des Kommunalen Sozialen Dienstes der

Stadt Hanau.

Die Methodik entsprach zwar dem fachlichen Ansatz der angedachten

alternativen Erziehungshilfe, unterschied sich aber in dem Punkt,

dass die Kinder in der Familie verbleiben sollten, während die Hilfe

einsetzte. Dementsprechend kritisch wurde die Methodik durch die

Kollegenschaft bewertet. Erschwerend kam hinzu, dass innerfami-

liäre Krisen wie die der Kindesmisshandlung sich auch auf Helfer-

systeme übertragen können, deren Auflösung durch Inobhutnahme

der Kinder verlockend ist

3

– auch wenn es sich hierbei nicht um

einen bewussten Vorgang handelt. Es brauchte demzufolge Zeit, bis

sich die Widerstände legten und die Bereitschaft vorhanden war,

die Hilfe in akuten Krisen einzusetzen.

Seitdem sind 20 Jahre vergangen. FiM wurde regelmäßig evaluiert,

und die positiven Ergebnisse sprechen für sich. Insgesamt 75-mal

wurde die Hilfe in Familien in Zuständigkeit der Stadt Hanau ein-

gesetzt. Es sind hoch krisenhafte Situationen in Familien, in deren

Folge aus Kinderschutzgründen die Herausnahme des Kindes/der

Kinder aus der Familie droht und die Herausnahme mit dieser Hilfe

abgewandt werden kann. Voraussetzung ist das Offenlegen der

Problematik und die Bereitschaft der Familie, sich auf die Hilfe ein-

zulassen und aktiv mitzuarbeiten. Auch braucht es die Bereitschaft

des Jugendamtsmitarbeiters, trotz Garantenhaftung das Risiko einer

2

Bringewat, Kommunale Jugendhilfe und strafrechtliche Garantenhaftung, in

NJW 1998, S. 944.

3

Die Inobhutnahme Jugendlicher gemäß § 42 KJHG aus systemischer Sicht.

Diplomarbeit EFH Darmstadt, FB IV, SS 1998, Andrea Knips-Profeld.