Aus Führungsfehlern lernen Armin Schneider Handbuch für Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Führungskräfte und Aufsichtsgremien 2. neu bearbeitete Auflage
• AKTUELL • PRAXISGERECHT • VERSTÄNDLICH WISSEN FÜR DIE PRAXIS www.walhalla.de ISBN 978-3-8029-7624-7 € 31,95 [D] Analyse – Hintergründe – Potenziale Fehler sind genauso alltäglich wie Erfolge. Mit einem Unterschied – über Fehler spricht man nicht gerne, lässt diese unter den Tisch fallen, negiert sie. In Non-Profit-Organisatio- nen kann dies fatale Folgen haben, denn Handelnde tragen dort eine besondere Verantwortung. Ihre Fehlentscheidungen können den Lebensweg von Hilfesuchenden nachhaltig negativ beeinflussen oder schaden dem Renommee der Organisation und damit der Beziehung zu den Stakeholdern. Dieses Buch ermutigt, mit Fehlern offen umzugehen und hilft, diese und die damit verbundenen Risiken zu (ver)meiden und zu überwinden. So entsteht die Chance für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die allen nutzt: der Organisation, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und natürlich der Führungskraft selbst. Aufgezeigt werden Fehlerquellen in den Rahmenbedingungen, das Verhältnis und die Spannung zwischen „Fehler und Lernen“ sowie typische individuelle Führungsfehler. Anhand vieler Praxisbeispiele lädt der Autor dazu ein, das eigene Verhalten zu hinterfragen: • bei der Entscheidungsfindung • im Handeln (oder Nichthandeln) • in der Kommunikation • in der Mitarbeiterführung Prof. Dr. Armin Schneider hat die Professur für Management und Forschung an der Hochschule Koblenz inne, seine Arbeitsschwerpunkte: evidenzbasiertes Management, stärkenorientiertes Leadership, nachhaltiges soziales Management, Organisationsethik. Bestellnummer: 7624600
Gesamtinhaltsverzeichnis Vorwort.......................................................................................... 11 Grundgedanken zum Buch........................................................... 14 Gliederung..................................................................................... 16 Grundlegende Annahmen............................................................ 17 I. Führung und Fehler............................................................ 23 Vorbemerkung zu Teil I................................................................. 24 1. Grundlagen......................................................................... 24 1.1 Führung............................................................................... 24 1.2 Fehler und ihre Bedingungen............................................ 39 1.3 Einzelpersonen im System.................................................. 65 1.4 Fehler im Feld der Non-Profit-Organisationen................. 68 2. B edingungen für Führung................................................. 79 2.1 Gesetzliche und andere Rahmenbedingungen................ 79 2.2 Komplexität......................................................................... 81 2.3 Professionalität................................................................... 84 2.4 Entscheidungen.................................................................. 86 2.5 Führungskonzepte.............................................................. 91 3. I ndividuelles und kollektives Lernen................................. 96 3.1 Individuelles Lernen............................................................ 96 3.2 L ernen aus Fehlern. ............................................................ 100 3.3 Lernen von Führungskräften............................................. 106 3.4 L ernen und Organisationen............................................... 110 4. Werte, Überzeugungen und Haltungen........................... 136 4.1 Werte und Ethik.................................................................. 136 4.2 Überzeugungen und Haltungen. ...................................... 139
II. Fehler(quellen) und ihre Überwindung............................ 143 Vorbemerkung zu Teil II................................................................ 144 1. Feedback: Wie sage ich es meiner Chefin / meinem Chef?.................................................................................... 148 2. Fehler in den Rahmenbedingungen.................................. 152 2.1 Fehler im System................................................................. 152 2.2 Strukturen und Prozesse. ................................................... 166 3. F ehler im Führungshandeln............................................... 177 3.1 M itarbeiter:innenführung.................................................. 177 3.2 Fehler im Feld von Entscheidungen.................................. 195 3.3 Fehler im Handeln............................................................... 208 3.4 Kommunikationsfehler....................................................... 226 4. Persönliche Eigenschaften als Fehlerquellen.................... 240 4.1 Ü berzeugungen und Charakterzüge................................ 241 4.2 Psychische Auffälligkeiten und Störungen....................... 249 III. Folgerungen........................................................................ 259 Vorbemerkung zu Teil III............................................................... 260 1. Anderes Lernen aus Führungsfehlern – 17 Schlüsse......... 260 1.1 F rühzeitig Fehlentwicklungen erkennen und korrigieren........................................................................... 260 1.2 Historie des Fehlers berücksichtigen................................. 261 1.3 Verstrickungen betrachten. ............................................... 261 1.4 Hypothesen statt Urteile.................................................... 262 1.5 Unfehlbarkeit gibt es nicht................................................ 262 1.6 Souveräner Umgang mit Fehlern....................................... 263 1.7 Dauerhaft auf eine Vertrauenskultur hinarbeiten........... 264 1.8 Führung braucht Kontrolle. ............................................... 264
1.9 Fehler als individuelle und kollektive Wachstumschancen nutzen................................................ 265 1.10 Negatives Wissen und Erfahrungen nutzen..................... 265 1.11 Lösungen gemeinsam suchen............................................ 265 1.12 Kreative Formen der Überwindung finden...................... 266 1.13 A ndere sinngebende Lösungen finden............................. 266 1.14 Lernen ganzheitlich begreifen........................................... 266 1.15 Auch das Lernen aus Fehlern ist nicht fehlerlos............... 267 1.16 Sensibler Umgang mit Fehlern.......................................... 267 1.17 Non-Profit-Organisationen müssen im eigenen Interesse stärker aus Führungsfehlern lernen.................. 267 2. Lernen aus Führungsfehlern: Gesamtschau...................... 268 IV. Literaturverzeichnis............................................................ 271 V. Stichwortverzeichnis.......................................................... 285
14 www.WALHALLA.de Grundgedanken zum Buch Führung wird von Menschen gemacht. Jede Art von Führung in allen Arten von Organisationen ist anfällig für Fehler. Fehler sind menschlich, und das ist auch gut so, denn aus Fehlern können Lernimpulse entstehen. Wenn manche Führungskraft auch ungern Fehler zugibt, so sind diese doch genauso alltäglich wie die Erfolge einer Führungskraft. Bisher wurden Fehler von Führungskräften hauptsächlich in sogenannten Hochrisikobereichen wie der Luftfahrt und der Atomindustrie unter die Lupe genommen. Dabei wurde vergessen, dass Führungsfehler auch in anderen Arbeitsbereichen enorme Folgen haben. Gerade im Non-Profit-Bereich haben Führungsfehler Auswirkungen sowohl auf einzelne Personen als auch auf die Organisation als Ganzes. Fehler in der Führung einer Wohlfahrtsorganisation, einer Umweltinitiative oder einer Behörde wirken sich auf deren Renommee, auf deren Einnahmen durch Spenden, Erlöse oder Zuweisungen, auf die Motivation der Mitarbeiter:innen und auf die Beziehung zu Kund:innen, Adressat:innen und Kooperationspartner:innen aus. Dieses Buch will Führungskräften und Mitarbeiter:innen gleichermaßen helfen, mit Fehlern umzugehen, sie zu erkennen, diese Fehler je nach Perspektive zu meiden oder zu vermeiden und schließlich zu überwinden. Da Führung immer in Systeme und Organisationen eingebunden ist, soll dieser Blick auch hier erkenntnisleitend sein: Führungskräfte sind Teil eines Systems und können in begrenzter Weise dieses System beeinflussen, wie auch sie selbst von einem System in ihrem Handeln beeinflusst werden. Schließlich werden exemplarisch (und sicher nicht abschließend) einige Fehlerkonstellationen vorgestellt und unter der oben genannten Fragestellung behandelt. Dadurch kann das vorliegende Buch auch als Leitfaden für den Umgang mit bestimmten Fehlerarten dienen. Gerade in sogenannten Non-Profit-Organisationen, die den Anspruch haben, andere Ziele als einen materiellen Gewinn zu verfolgen, ist der Umgang mit Fehlern wichtig. Hängt doch von Organisationen z. B. im Bildungsbereich und in der Sozialen Arbeit in entscheidender Weise die Zukunft unserer Gesellschaft und das Schicksal derer ab, die auch in schwierigen Lebenssituationen in Würde leben sollen. Gerade etwa in der Kinder- und Jugendhilfe ist der „richtige“ Umgang mit Fehlern bedeutsam, denn weder Kindheit noch Jugend lassen sich wiederholen. Fehler in einer Kin-
Grundgedanken zum Buch 15 www.WALHALLA.de dertageseinrichtung oder einer Jugendhilfeeinrichtung und Fehler in Entscheidungen des Jugendamtes bestimmen den Lebensweg des jungen Menschen nachhaltig. Korrekturen in späteren Phasen sind sehr aufwendig und oft weniger erfolgversprechend. Und ja: Dieses Buch geht davon aus, dass auch Erwachsene, dass auch Führungskräfte lernen können, nicht nur aus Fehlern, aber auch aus Fehlern. Zweifelsohne muss nicht jede Führungskraft alle hier aufgeführten Fehler selbst machen oder erleben, die Beispiele sollen vielmehr dazu dienen, die eigene Führungspraxis zu hinterfragen. In jedem Beispiel steckt auch eine verallgemeinerbare Erkenntnis, die einen selbst berührt und dem oder der einen oder anderen irgendwie bekannt vorkommt. Dass das mit dem Lernen aus eigenen Fehlern nicht so einfach ist, liegt auf der Hand, denn Scheitern behindert auch das Lernen. Wir lernen eher aus Fehlern anderer: „Das bringt uns weiter […] und ähnelt der Reaktion auf ein Erfolgserlebnis. Denn dann haben wir den nötigen Abstand, können sehen, was falsch lief, und sind fähig, daraus Schlüsse zu ziehen“ (MDR 2023). Wir brauchen also einen (zeitlichen, räumlichen oder mentalen) Abstand, um aus Fehlern zu lernen, das gilt für eigene und auch für fremde Fehler. Wann ist ein Fehler ein Fehler? Diese fast schon philosophisch anmutende Frage lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Die entsprechende Handlung sieht aus verschiedenen Perspektiven und zeitlichen Abständen unterschiedlich aus. Ähnliches Verhalten kann je nach Situation ganz unterschiedliche Ergebnisse, Folgen und Nebenfolgen aufweisen. Hier soll keinesfalls das Bild einer „idealen Führungskraft“ gezeichnet werden, eine solche gibt es nicht. Und es geht auch nicht darum, zum „Kopieren“ einzuladen. Führungskräfte müssen Originale bleiben, nur so können sie wirken. Dennoch gilt vielfach das türkische Sprichwort: „Der Fisch stinkt vom Kopf“ – Führungskräfte haben Macht und Einfluss, und sie müssen sich dieser prägenden Kraft auf eine ganze Organisation bewusst sein. Das Buch lädt zur Reflexion des eigenen Handelns ein, und zwar sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter:innen, die in Organisationen und Unternehmen von Führung betroffen sind, an ihr partizipieren, unter ihr leiden, von ihr inspiriert werden oder an ihr wachsen. Dabei muss stets auch ein Blick auf die Rahmenbedingungen und die Eingebundenheit in ein System geworfen werden, denn nur von der Führungskraft als Person und ihrem Verhalten auszugehen, wäre es zu einfach.
16 www.WALHALLA.de Gliederung Dieses Buch ist in drei große Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Grundlagen zum Thema Führungsfehler vorgestellt. Ausgehend von einem Führungsverständnis, das über das Handeln einzelner Personen hinausgeht, wird die Bedeutung von Fehlern herausgestellt. Dabei werden auch die Bedingungen beleuchtet, unter denen Führungskräfte arbeiten. Schließlich werden Lernformen im Kontext von Führungsfehlern thematisiert. Nicht vergessen werden dabei die Aspekte „Werte“, „Überzeugungen“ und „Haltungen“, die das Handeln von Führungskräften beeinflussen bzw. mehr oder weniger als grundlegende Muster bestimmen. Der zweite Teil ist einer Reihe von „typischen“ Führungsfehlern gewidmet. Dabei werden direkte Fehler im Handeln, in der Kommunikation und im Feld der Entscheidungen ebenso beleuchtet wie Fehler, die mittelbar in die Verantwortung der Führungskräfte fallen. Aufgrund der hohen Gestaltungsmacht haben Führungskräfte einen großen Einfluss auf die Ausrichtung von Prozessen und Strukturen in einer Organisation. Dieser Einfluss umfasst die Organisations- oder Unternehmenskultur, die oft mehr das Handeln von Personen in einer Organisation bestimmt, als sichtbar ist. Die alte Frage, ob man zur Führungskraft aufgrund von persönlichen Eigenschaften „geboren“ wird oder sich Führung erlernen lässt, wird im Unterkapitel zu persönlichen Eigenschaften behandelt. Nicht jede als pathologisch eingestufte Eigenschaft oder Auffälligkeit ist aus Sicht einer Organisation oder einer Führungskraft kontraproduktiv, manche sind unter bestimmten Bedingungen auch hilfreich. Plakative Aussagen werden an Beispielen analysiert und auf Möglichkeiten der Überwindung und auf Lernpotenziale hin aufbereitet. Schließlich werden jeweils Handlungs- und Lernimpulse für die unterschiedlichen Perspektiven der Führungskraft, der Mitarbeiter:innen und der Vorgesetzten der Führungskraft bzw. des Aufsichtsgremiums aufgezeigt. Im dritten und letzten Teil werden Folgerungen zum generellen Umgang mit Fehlern entwickelt, die die wesentlichen Erkenntnisse zusammenfassen.
Grundgedanken zum Buch 21 www.WALHALLA.de Warum sollte man sich mit Führungsfehlern beschäftigen? 1. Führungsfehler kosten Geld und verschlingen damit vor allem auch personelle Ressourcen, die eine Organisation, besonders im Non-Profit-Bereich, für andere Aufgaben dringend benötigt. 2. Fehler haben den Hang zur Vermehrung: Ein Fehler kommt selten allein. Große Skandale oder Fehlleistungen lassen sich oft auf die Verkettung mehrerer kleiner Fehler zurückführen. 3. Aus Fehlern zu lernen, ist eine sehr einfache Möglichkeit, die Effizienz zu steigern, wenn dabei die Organisation genutzt wird und gemeinsames Lernen zu einer Steigerung der Organisationsidentität führt. 4. „Nachher ist man immer schlauer“ – das mag sein, aber allzu oft werden Fehler nicht systematisch untersucht und die Lehren daraus nicht bekannt gemacht, sodass andere „in die gleiche Falle tappen“. 5. Wer nur „schwarz“ und „weiß“ kennt und sich selbst für unfehlbar hält, braucht keine Beschäftigung mit Führungsfehlern, ihm oder ihr ist aber auch anders nicht zu helfen. Es ist zu vermuten, dass früher oder später Fehler entdeckt werden und „Leichen aus dem Keller“ geholt werden müssen. Gerade in solchen Fällen sind Aufsicht und Kontrolle gefragt. 6. Fehler sind Helfer (man beachte, dass es sich um dieselben Buchstaben handelt, nur die Reihenfolge ist unterschiedlich!) und gerade in Veränderungsprozessen auch wichtige Orientierungs- und Erkenntnisquellen.
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