Bewerbung & Karriere

Geld ist nicht alles

Erfolg und Zufriedenheit – auch ohne Spitzengehalt

Die FAZ veröffentlichte am letzten Juli-Wochenende in der Rubrik BERUF & CHANCE eine Übersicht, die die Einstiegsgehälter für Hochschulabgänger listet. Demnach verdient ein Jurist in Frankfurt 61.867 Euro im Jahr. Ein Geisteswissenschaftler in Nürnberg hingegen mit 34.474 Euro fast die Hälfte.

Solche Tabellen mögen zwar interessant sein, aber helfen sie auch bei der Berufswahl? Wer argumentiert, dass das Leben in Frankfurt teurer ist als in Nürnberg und sich das höhere Gehalt somit nivelliert, übersieht, dass mit den höheren Sozialabgaben auch eine anspruchsvollere Rente aufgebaut wird – wobei diese Bedeutung signifikant abnimmt. Wichtiger erscheint, dass die monetäre Aussage lediglich einen Baustein im Entscheidungsfindungsprozess darstellt.

Talent und Leidenschaft: Berufswahl nach Begabung

In der Praxis zeigt sich schon bei Studienabbrechern, dass die Vorstellung des Werdegangs nicht immer mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Nicht selten sattelt der VWLer noch einmal um auf Psychologie und der Mathematik-Student auf Informatik. Hier spielt die Begabung eine Rolle und häufig die Motivation. Je früher die Kompetenzen mit der ausgeübten Tätigkeit in Einklang gebracht werden können, desto besser. Eine Supply-Chain-Managerin, die nach drei Berufsjahren feststellt, dass sie lieber mit Menschen als mit Kennzahlen arbeitet, hat es da schon schwerer.

Auch Werte können sich im Lauf der Jahre verschieben. Der Ingenieur, der die Produktion in China auf Vordermann bringt, will nach der Geburt seines ersten Kindes lieber wieder zu Hause arbeiten. Der 53-jährige Vice President Sales und Marketing unterschreibt beim weltgrößten Stahlkonzern seinen neuen Fünfjahresvertrag und stellt fest, dass ihm der Preis zu hoch ist. War das schon alles im Leben? Er bittet um Auflösung und geht den Weg in die Selbstständigkeit – für die Hälfte des Geldes. Dafür lebt er ein gefühlt selbstbestimmtes Leben.

Der britische Autor und Berater Ken Robinson stellt in dem Buch „In meinem Element. Wie wir von erfolgreichen Menschen lernen können, unser Potenzial zu entdecken“ fest: Trifft Talent auf Leidenschaft und entsprechende Umgebungsfaktoren, so ist dies eine gute Basis für den späteren Erfolg. Wer über eine gute Kommunikationsgabe, Überzeugungskraft und ausreichend Motivation verfügt, andere begeistern kann, Veränderungen bewirkt und dafür Anerkennung bekommen möchte, der studiert möglicherweise Erwachsenenbildung und wird später ein guter Trainer.

Zeit für Selbstreflexion

Dieser Prozess der Selbstreflexion benötigt Zeit. Oft aber kommt diese Gabe, insbesondere zu Beginn der Karriere, zu kurz. War man vor 15 Jahren gelegentlich noch zur Introspektion „gezwungen“, etwa wenn ein Buch zu Ende gelesen war und das TV-Programm nichts zu bieten hatte, so findet man sich heute einem Überangebot an Entertainment ausgesetzt. PC-Spiele mit Freunden, Unterhaltungen per Handy, Austausch in sozialen Netzwerken etc. Doch digitale Aspekte, die unser Leben einerseits bereichern, haben auch ihre Schattenseiten, etwa in Form einer ständigen Erreichbarkeit.

Wer sich über seine Zukunft Gedanken machen will, sollte zunächst äußere Störfaktoren ausschalten. Dann wird das Nachdenken über die eigene Person zur spannenden Aufgabe:

  • Was ist mir in der Vergangenheit gut gelungen und warum?
  • Welche Fähigkeiten konnte ich einsetzen?
  • Welches Umfeld motiviert mich? Die Menschen um mich herum oder die Möglichkeit, eine Aufgabe in Ruhe zu Ende zu bringen?
  • Welche Tätigkeiten haben mich erfüllt?

Wer sich die positiven Erlebnisse der Vergangenheit bewusst macht und diese dokumentiert, kann daraus einen Plan für die Zukunft ableiten. Das Ergebnis ist möglicherweise nicht das höchste Gehalt, aber im Idealfall die Erreichung der Ziele, die man sich selbst gesetzt hat. Ein Äquivalent für Erfolg?


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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