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Arbeitsmarkttheoretische Grundlagen

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Die zentralen Einflussgrößen für die Beteiligung am Erwerbsleben sind:

das Geschlecht, das Alter, der Familienstand, der Bildungsstand, die Ver-

fügbarkeit passender Arbeitsplätze, das Lohnangebot sowie gesundheit-

liche Faktoren. Arbeitsmarktforscher sehen in einer weiteren Steigerung

der Frauenerwerbstätigkeit eine der zentralen Möglichkeiten, die arbeits-

marktlichen Auswirkungen der demografischen Entwicklung zu verzögern/

mildern.

Die nachfolgende Abbildung 3 stellt das Gesamtsystem zusammen und

fügt die formalen Berechnungsgrundlagen ein.

Stille Reserve (Arbeitsmarktreserve)

Für die Arbeitsmarktbilanz der Bundesagentur für Arbeit ist die Personen-

gruppe der sog. Stillen Reserve von Bedeutung, die wir wie folgt unter-

scheiden:

Stille Reserve in Maßnahmen

(Leistungsempfänger mit vorübergehend

eingeschränkter Leistungsfähigkeit bzw. während einer Antragstellung

auf EU-Rente, Arbeitslose in den Übergangsphasen zum Vorruhestand,

Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen sowie weiteren

Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik)

Stille Reserve im engeren Sinne

differenzieren wir in einen aktiven Teil

(Personen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Arbeit nachfragen,

ohne sich bei den Arbeitsagenturen registrieren zu lassen) und einen

passiven Teil (Personen, die sich vorübergehend vom Arbeitsmarkt zu-

rückgezogen haben, bei günstigeren Aussichten jedoch wieder aktiv

Arbeit nachfragen würden). Aktive und passive Stille Reserve i. e. S. bil-

den den Arbeitsmarktpuffer, der bis in die 80er-Jahre eher von den

(Haus-)Frauen dominiert wurde, in der sich jedoch jetzt zunehmend

ausländische (häufig unqualifizierte) Arbeitnehmer, arbeitsmarktent-

wöhnte Arbeitnehmerinnen, ältere Erwerbslose und gesundheitlich be-

einträchtigte und behinderte Menschen befinden.

Die Stille Reserve ist für die Praxis der Vermittlungsdienstleistungen des-

halb interessant, weil mit ihr erklärt werden kann, warum sich im konjunk-

turellen Abschwung der Abbau der Erwerbstätigkeit nicht 1:1 in einer Zu-

nahme der Arbeitslosigkeit abbildet und umgekehrt. Vor allem ist sie eine

Größe, die auch herangezogen werden muss, wenn Arbeitsstellen gemel-

det und dann von anderen, nicht registrierten Personen besetzt werden.

Tabelle 2 fasst die besprochenen Größen der Arbeitsmarkbilanz auf der An-

gebotsseite zusammen und verdeutlicht in der Stillen Reserve noch einmal,

in welcher Größenordnung sich Unterbeschäftigung in Deutschland in den

letzten 20 Jahren entwickelt hat.