Background Image
Table of Contents Table of Contents
Previous Page  31 / 33 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 31 / 33 Next Page
Page Background www.WALHALLA.de

31

1

Arbeitsmarktbezogene Grundzusammenhänge

Die angebotene Produktivität

Die angebotene Produktivität lässt sich nur indirekt erschließen, über eine

Bewertung der in Geldwert berechneten Produktion und Dienstleistungser-

bringung. Sie ist auf der Arbeitnehmerseite abhängig vom Bildungsstand,

von der Leistungsbereitschaft sowie weiteren förderlichen oder hemmen-

den Voraussetzungen, und auf der Unternehmensseite vom Technisierungs-

grad und der Organisationsweise der Produktionsprozesse. Zwischen den

Branchen und Wirtschaftssektoren gibt es erhebliche Unterschiede in der

Produktivitätsentwicklung, folglich auch bei den darin arbeitenden Arbeits-

kräften.

Erwerbsverhalten und Erwerbsbevölkerung

Ob Menschen ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anbieten oder nicht,

hängt von der Verkettung vieler Lebensumstände ab. So beeinflussen die

subjektive Einschätzung der Lebensbedingungen und Arbeitsmarktchan-

cen, die Attraktivität angebotener Arbeitsplätze, infrastrukturelle, institu-

tionelle, wirtschafts- und sozialpolitische Größen sowie selbstverständlich

die Lohnhöhe die Entscheidung zur Abgabe eines Arbeitsplatzangebotes.

Am Beispiel von Eltern mit schulpflichtigen Kindern kann man erkennen,

wie unterschiedlich, sowohl zwischen den Geschlechtern insgesamt als

auch zwischen den einzelnen Argumenten, die Gründe für eine Unverein-

barkeit von Familie und Beruf gewichtet werden (vgl. Abbildung 3). Indivi-

duelle Zeitpräferenzen spielen genauso eine Rolle wie Verantwortungs-

gefühl und berufliche Karriere. Das Antwortverhalten hängt zudem davon

ab, ob man bereits Vollzeit berufstätig ist oder nicht.

Erwerbsbeteiligung

Für die Betrachtung des Arbeitsmarktes ist wesentlich, wie viele Menschen

tatsächlich ihre Arbeitskraft anbieten und warum, da sich nur so Verände-

rungen im Gesamtgefüge statistisch erfassen lassen und letztendlich arbeits-

marktpolitische Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Längere Ausbildungszeiten und das frühere Ausscheiden aus dem Erwerbs-

leben führten in den letzten Jahrzehnten sukzessive zu stetig sinkenden Er-

werbsquoten. Die steigenden Ausbildungsanforderungen, die Verlängerung

von hochschulischer Bildung und eine generell höhere Bildungsbeteiligung

taten ihr Übriges. Erst seitdem die Politik versucht umzusteuern, zeigen sich

bei den Erwerbsquoten wieder Veränderungen. Insbesondere durch die Zu-

rücknahme der Frühverrentungsmöglichkeiten und in Ansätzen einer strik-

teren Kontrolle von (über-)langen Bildungsphasen stieg die Erwerbsquote

wieder an und lag 2009 so hoch wie noch nie in der bundesrepublikanischen

Geschichte. Die Zunahme resultierte insbesondere aus einer höheren Er-

werbsquote der Frauen, während die Erwerbsquote für die Männer leicht

rückläufig war.