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Arbeitsmarkttheoretische Grundlagen

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auseinander, sinkt die jeweilige Bereichszufriedenheit erheblich. Zufrieden

mit ihrer Arbeitszeit ist ein gutes Viertel. Ihre bezahlten Wochenstunden

erhöhen möchten weniger als ein Fünftel, vorwiegend teilzeitbeschäftigte

Männer in den neuen Bundesländern. Dagegen wollen mehr als die Hälfte

der Befragten sie senken, und zwar Männer wie Frauen. Alle Wünsche zu-

sammengenommen ergibt sich, wie auch schon in anderen Studien berich-

tet, ein rechnerisches Umverteilungsvolumen von über 2,4 Mill. Vollzeit-

stellen“ (Grözinger u. a. 2008, S. 1).

Arbeitszeitwünsche

Naturgemäß fallen Arbeitszeitpräferenzen zwischen beschäftigten und

nicht-beschäftigten Arbeitnehmern unterschiedlich aus. Allerdings sind

diese Ergebnisse zwischen den Geschlechtern nicht einheitlich. Frauen ar-

beiten häufiger in Teilzeit, während Männer überwiegend in Vollzeitstel-

len beschäftigt sind. „Die starken Unterschiede der Arbeitszeiten zwischen

den Geschlechtern bilden allerdings nicht die Wunschvorstellungen von

Müttern und Vätern ab. Eltern artikulieren ein deutliches Interesse daran,

ihre Arbeitszeit einander anzunähern. Die Väter wollen ihre Wochen-

arbeitszeit vor allem durch den Abbau von Überstunden verringern. Ein

großer Teil der Erwerbstätigen kann seine eigentlich präferierte Arbeits-

zeit nicht realisieren. „Gemessen an ihren Arbeitszeitwünschen würden

fast die Hälfte der regulär teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei Drittel

der Mini-Jobberinnen die vereinbarte Arbeitszeit gerne deutlich aus-

weiten. Hier besteht noch beachtliches Arbeitszeitpotenzial, das bei ent-

sprechend vorhandenen Rahmenbedingungen erschlossen werden kann“

(Wagner 2011, S. 1).

Bei Berufsrückkehrerinnen zeigen sich deutliche Arbeitszeitpräferenzen

zwischen Ost- und Westdeutschland. Während knapp ¾ der westdeutschen

Rückkehrer eher an einer Teilzeit- bzw. Heimarbeitstätigkeit interessiert

sind (72 Prozent), sind es in Ostdeutschland nur 19 Prozent (vgl. Böhm u. a.

2011).

Grundsätzlich gilt für eine Beurteilung der Arbeitszeiten: Je länger die Ar-

beitszeit bei Vollzeitarbeitsplätzen, desto unzufriedener sind die Eltern. Je

kürzer die Arbeitszeiten bei Teilzeitarbeitsplätzen, desto unzufriedener die

betroffenen Arbeitnehmer. Zudem spielen sicherlich Zukunftserwartungen,

individuelle (finanzielle) Belastungen und konjunkturelle Faktoren eine

große Rolle bei der Festlegung der Arbeitszeitwünsche. Diese Unzufrieden-

heit ruft nun schon seit Jahren die Politik auf den Plan, die einmal wegen

der dadurch entstehenden Belastung der öffentlichen Haushalte (hohe Ar-

beitslosenzahlen bei Alleinerziehenden und Berufsrückkehrern), zum an-

deren wegen der notwendigen demografischen Anpassung die Unter-

nehmen auffordert, ihre Arbeitsbedingungen für familiäre Kontexte zu

sensibilisieren, d. h. familienfreundlicher zu gestalten.