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Arbeitsmarkttheoretische Grundlagen

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Auch im restlichen Europa sieht insgesamt die demografische Entwicklung

nicht besser aus. „Im gesamten EU-Raum variierte die zusammengefasste

Geburtenziffer (…) im Jahr 2009 zwischen 1,3 Kindern je Frau in Lettland,

Ungarn und Portugal einerseits und rund 2,0 Kindern je Frau in Irland,

Frankreich, Schweden und im Vereinigten Königreich andererseits“ (Statis-

tisches Bundesamt 2012, S. 40). Zur Bestandserhaltung ist eine durch-

schnittliche Geburtenrate zwischen 2,0 und 2,1 Kindern erforderlich, ab-

hängig von der landesspezifischen Säuglingssterblichkeit.

In der aktuellsten Bevölkerungsprojektion (12. koordinierte Bevölkerungs-

vorausberechnung des StBA) nimmt die Zahl der deutschen Gesamtbevöl-

kerung seit 2003 ab. Von ca. 82 Millionen Menschen in Deutschland im Jahr

2008 werden 2060 zwischen 65 Millionen (bei jährlicher Zuwanderung von

100.000 Personen, Untergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) und 70 Mil-

lionen Menschen in Deutschland leben (bei jährlicher Zuwanderung von

200.000 Personen, Obergrenze der „mittleren“ Bevölkerung). Die Varian-

ten weisen bereits auf die Bedeutung einer geregelten und kontinuier-

lichen Zuwanderung nach Deutschland hin.

Das Statistische Bundesamt schreibt dazu:

„Ähnlich wie die Bevölkerung insgesamt wird auch die Bevölkerung im

Erwerbsalter (hier: von 20 bis 65 Jahren) deutlich altern und schließlich

schrumpfen. Heute gehören knapp 50 Millionen Menschen dieser Al-

tersgruppe an. Ihre Zahl wird erst nach 2020 deutlich zurückgehen und

2035 etwa 39 bis 41 Millionen betragen. 2060 werden dann etwa

36 Millionen Menschen im Erwerbsalter sein (–27 Prozent), falls der

Saldo der Zu- und Fortzüge jährlich etwa 200.000 Personen betragen

wird. Fällt die Nettozuwanderung nur halb so hoch aus, gibt es 2060 ein

noch kleineres Erwerbspersonenpotenzial: knapp 33 Millionen oder

–34 Prozent gegenüber 2008“ (StBA 2009, S. 6).

Für die geringe Kinderzahl waren zwei Trends besonders entscheidend:

a) Ein Rückgang der großen Kinderzahl in den Familien nach dem 2. Welt-

krieg, die sich bis zu den Geburtsjahrgängen Ende der 60er-Jahre auf

einen Durchschnitt von zwei Kindern einpendelte.

b) Eine kontinuierliche Erhöhung der Zahl an Frauen, die gänzlich kinder-

los bleiben. Heute sind rund 20 Prozent der Frauen eines Jahrgangs kin-

derlos. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, die man

nach

soziodemografischen

(soziale, demografische und Humankapital-

faktoren, die entweder über die Kosten von Kindern, das Einkommen

und/oder die Präferenzen der potenziellen Eltern wirken),

sozial-nor-

mativen

(Normen bezüglich der Biografiegestaltung, dominante Ge-

schlechterrollenbilder, das Ausmaß der Wertschätzung von Familie und

Kindern) und

politisch-rechtlichen

Determinanten (Wirkung familien-

politischer Leistungen und Maßnahmen auf die Fertilität) strukturieren

kann (vgl. Boll u. a. 2013).