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Arbeitsmarktbezogene Grundzusammenhänge

Ein zweiter Grund, der unsere Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Beson-

derheiten des Arbeitsmarktes lenken sollte, bezieht sich auf die Seite der

Arbeitgeber. Diese können sich nicht darauf verlassen, dass mit der Aus-

zahlung von Löhnen und Gehältern automatisch auch garantiert ist, dass

ihre Arbeitskräfte tatsächlich einen guten Job erledigen. Zum Vergleich:

Qualitativ weniger gute Äpfel, die auf einem Wochenmarkt gekauft

werden, lassen sich oft äußerlich relativ leicht identifizieren und ggf.

austauschen. Im Gegensatz dazu kann man konkrete Teilarbeitsmärkte

nicht analysieren, ohne neben den berufsfachlichen die nicht mehr so ein-

fach zu erkennenden sozialen und persönlichen Eigenschaften von Be-

werbern zu berücksichtigen. Das Arbeitsvermögen mit all seinen Facetten

ist nämlich untrennbar mit der Arbeitskraft verbunden. Zudem stehen

Unternehmen und Beschäftigte immer in einer kooperativen Beziehung

zueinander. Deren Basis, der Arbeitsvertrag, wird in der Regel explizite

Unbestimmtheiten enthalten, da die Leistungen des Arbeitnehmers in ei-

nem Normalarbeitsverhältnis nur allgemein eingegrenzt werden können.

Nicht-vertragliche Verhaltensgewohnheiten und soziale Normen sind

dennoch impliziert, weil sie für ein funktionierendes Arbeitsverhältnis

unerlässlich sind.

Ein dritter Grund, worin sich Arbeitsmärkte von anderen Märkten deutlich

unterscheiden, liegt in der überwiegend beschränkten geografischen Mo-

bilität der Arbeitsuchenden. Wir sind es mittlerweile gewohnt, bei Finanz-

und Gütermärkten in globalen Dimensionen zu denken. Firmen jedoch

rekrutieren die Mehrzahl ihrer Mitarbeiter gerne vor Ort. Von oberen Füh-

rungskräften und berufsfachlichen Spezialisten einmal abgesehen, suchen

Unternehmen aus guten Gründen ihre Mitarbeiter zumeist auf den lokalen

und regionalen Märkten im Umfeld ihres Firmensitzes. Während die inter-

nationale Fachkräftegewinnung eher selten ist, geschieht die überregio-

nale Suche vor allem auf den hoch qualifizierten Teilarbeitsmärkten.

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Nicht

zuletzt tendiert auch die Seite der Bewerber dazu, großräumige Mobilität

eher zu vermeiden.

Letztendlich, als vierter Grund, zeigt sich, dass auch die berufsbezogene

Mobilität beider Seiten auf dem Arbeitsmarkt beschränkt bleibt. Unterneh-

men suchen Arbeitskräfte bezogen auf spezifische Anforderungsprofile,

die von vielen Einflüssen determiniert werden (technische Entwicklung, Ar-

beitskräfteangebot, Produktionsprozess etc.). Andererseits bieten Arbeits-

kräfte spezifische Qualifikationen an, die teilweise von ganz anderen Ein-

flussgrößen bestimmt werden (Schulwahl, Schulausbildung, Berufseinstieg,

Interessen, Begabungen und Fähigkeiten). In der Mehrzahl finden zwar die

Suchprozesse über einen mehr oder minder großen Zeitraum zueinander,

jedoch nicht in jedem Fall. Diese strukturellen Diskrepanzen und Unüber-

sichtlichkeiten werden uns noch beschäftigen.

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Grenzüberschreitende massenhafte Wanderungsbewegungen aus anderen Motiven,

z. B. um der Armut im Herkunftsland zu entfliehen, gibt es natürlich auch, doch sollen

die dahinterstehenden Motive hier zunächst unbeachtet bleiben.