Bewerbung & Karriere

Erfolgreich ohne Einschränkung?

Die Bedeutung von Umfeldfaktoren beim Jobwechsel

Reinhard K. Sprenger, Management-Berater und Führungsexperte, schrieb in der Mai-Ausgabe der WirtschaftsWoche über Jürgen Klopp: „Seine Stärken: eher Aufbau als Abschöpfung, eher junge Spieler als alte, eher Wille als Taktik. Alles Stärken, um erfolgreich zu werden, nicht um erfolgreich zu bleiben.“ Und weiter: „Niemand ist immer und unter allen Umständen eine gute Führungskraft. Eine Führungskraft mag auf einem Aufbaumarkt brillieren; auf einem Abschöpfungsmarkt ist sie fehlbesetzt. Sie mag in einer streng hierarchischen Unternehmenskultur genau richtig sein, in einer Projektorganisation ist sie ein Fremdkörper.“

Insbesondere bei einem Jobwechsel finden diese Aspekte wenig Berücksichtigung. Vor einiger Zeit stand ich während eines Outplacements mit einem Leiter der Unternehmensrevision in Kontakt. Verantwortlich für seinen Erfolg machte er eindeutig das Unternehmenswachstum. Er hatte es geschafft, die Abteilung auf- und auszubauen. Der Wechsel in ein „reifes“ Unternehmen mit vorhandenen Strukturen und vordefinierten Prozessen war für ihn unvorstellbar. Seine Devise lautete: Ja von 0 auf 80. Nein von 80 auf 100.

Quantität und Qualität

Generell lassen sich Bewerber in zwei Gruppen einteilen: Auf der einen Seite gibt es die schnellen, initiierenden, auf Quantität ausgerichteten Mitarbeiter. Sie sehen das große Ganze, wollen in Bewegung bleiben und verfolgen Ziele. Andererseits gibt es die besonnenen, eher zurückhaltenden Kollegen, denen Qualität am Herzen liegt. Sie finden Gefallen an Details, beschäftigen sich gern ausführlich mit Prozessabläufen und deren Umsetzung.

Larry E. Greiner, US-amerikanischer Ökonom und emeritierter Professor für Management und Organisation an der University of Southern California, hat Unternehmen in ihrer Entwicklung beobachtet. Dabei stellte er einen Wechsel zwischen Phasen der Freiheit und Ordnung fest. So fängt ein Unternehmen in der Pionierphase an. Als Merkmale nennt er eine informelle Kommunikation, die Abstinenz von Strukturen sowie eine hohe Flexibilität. Ab einer gewissen Wachstumsstufe werden die Stärken der Anfangsphase jedoch zu Hindernissen. In einer nächsten, direktiven Phase sind Struktur, Organisation und Prozesse angesagt. So wechseln sich im Lauf der Zeit – und bei entsprechender Steuerung – gestalterische Phasen mit solchen der Kontrolle ab.

So wundert es nicht, dass sich Personen aus der ersten Gruppe eher wohl fühlen in Phasen, in denen Neues geschaffen wird. Die ruhigeren Mitarbeiter der zweiten Kategorie bevorzugen hingegen die Zeiträume der Konsolidierung. So sieht sich der Mitarbeiter bei einer Neu-Orientierung mit der Frage konfrontiert: In welcher Wachstumsphase befindet sich mein potenzieller neuer Arbeitgeber?

Die Frage nach der Unternehmensentwicklung

Für gewisse Funktionen mag die Frage der Unternehmensentwicklung unerheblich sein. So macht es für den Sachbearbeiter Debitorenbuchhaltung ab einer gewissen Größe wenig Unterschied, ob er seine Aufgaben in einem wachsenden oder sich festigenden Unternehmen wahrnimmt. Für den Vertriebsleiter ist Kundenpflege und Bindung in einem defensiven Markt sehr wohl anders als die Ausarbeitung und Umsetzung von Akquisitionsstrategien in einem Wachstumsmarkt.

Es ist nicht immer einfach festzustellen, an welcher Stelle eines Wachstumszyklus sich ein Unternehmen befindet. Hier hilft es, einen Blick in die Unternehmensgeschichte zu werfen. Es gilt, gute Fragen für das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Im Zweifelsfall kann eine Hospitation vorgeschlagen werden –zumindest aber ein klärendes Gespräch mit dem künftigen Team.

Gefragt ist Weitsicht

Nicht jeder ist überall erfolgreich – trotz vorhandener Expertise. Wer sich möglichst intensiv nicht nur mit dem neuen Aufgabenbereich, sondern auch mit den Umfeldfaktoren befasst, handelt mit Weitsicht!


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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