Bewerbung & Karriere

Einstieg in das Jahr 2017 – Optimale Arbeitsmarktchancen ersetzen nicht die Notwendigkeit zu einer qualifizierten Bewerbung!

Wer sich überlegt nach einem neuen Job Ausschau zu halten, könnte kaum einen besseren Zeitpunkt erwischen. Seit etwa drei Wochen überschlagen sich die Sensationsmeldungen. Mit 50 Milliarden Umsatz war der Dezember für den Einzelhandel der stärkste Monat aller Zeiten. Die Unternehmen steigerten ihre Gewinne um ein Viertel. Der Bau hat die dicksten Auftragsbücher seit 21 Jahren. Und die Zahl der Beschäftigten erreicht mit 43,4 Mio. Erwerbstätigen neue Rekorde. Es waren 352.000 Personen mehr in Brot und Butter als noch vor 12 Monaten.

Niedrigste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren

Im gleichen Zeitraum ist die Arbeitslosigkeit um 101.000 Personen auf 2,54 Mio. gesunken – so wenig wie seit 25 Jahren nicht. Das alles geht nicht zu Lasten der atypischen Beschäftigungsverhältnisse, die ebenfalls rückläufig sind. Diese Nachrichten sind nicht nur makro-ökonomisch interessant, denn die Reallöhne sind um 2,3 Prozent angestiegen.

Das neue Jahr überraschte mit der Nachricht, dass der Arbeitsmarkt die Flüchtlingswelle gut überstanden hat. Für Deutsche hat sie ohnehin 50.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wenige Tage später hieß es, dass wir eigentlich eine weitere Zuwanderung benötigten. Denn „Der Mittelstand leidet unter Personalnot“ und „Aufträge gehen flöten“. Letzte Nachrichten verkündeten außerdem, dass „immer mehr Ruheständler arbeiten“ – nicht wegen finanzieller Not, sondern um etwas Sinnvolles zu machen und auch, weil Ihnen die Gelegenheit dazu gegeben wird.

Gute Arbeitsmarktbedingungen – für Bewerber!

Alles gut also? Nicht für die Arbeitgeber, die zunehmend Schwierigkeiten haben ihre offenen Positionen zu besetzen. Ein Schlaraffenland für Arbeitnehmer? Theoretisch ja, wenn Selbstverständliches berücksichtigt werden würde. Denn ich werde immer wieder von Jobsuchenden angesprochen, die die Zahlen anzweifeln: „Herr Zeylmans, wenn das alles stimmen würde, warum finde ich dann keinen Job?“ Meistens lasse ich mir die Unterlagen zeigen und da fällt eine unverständliche Sorglosigkeit auf:

Die Notwendigkeit qualifizierter Bewerbungsunterlagen

Das Anschreiben ist häufig als Copy/Paste formuliert. Ein Standard genügt für alle. Die Adresse des Arbeitgebers wird eingesetzt. Als Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“. Das Unternehmen hat doch „eh“ keine Wahl um muss mich nehmen, oder? Daher wird auch der Lebenslauf lieblos konzipiert. Wenn über die Zeiträume, den Arbeitgeber und die Funktion hinaus noch weitere Angaben erfolgen, wiederholen sich diese erstaunlich oft bei den beruflichen Stationen. Geschweige denn, dass Erfolge und Ergebnisse aufgeführt werden, damit sich der Arbeitgeber ein Bild der erbrachten Leistungen machen kann.

Manche erstellen ein Deckblatt. Das wird dann standardmäßig mit „Lebenslauf“ überschrieben. Eine Individualisierung mit dem Namen des Arbeitgebers, der ausgeschriebenen Position und den Aspekten, die einen für die Stelle qualifizieren, scheint zu viel verlangt. Wer sich dann noch auf ausgeschriebene Stellen bewirbt und im Wettbewerb zu anderen Bewerbern steht, soll sich nicht wundern, dass er – auch in einer angespannten Arbeitsmarktlage – keine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält.

Die Realität ist: Ja, die Ausgangslage ist besser als je zuvor. Die guten Rahmenbedingungen verdrängen jedoch nicht die Notwendigkeit, dass wenigstens Mindestanforderungen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen erfüllt sein sollten. Eine Bewerbung ist schließlich Werbung in eigener Sache.

Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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