Bewerbung & Karriere

Die reale Bedeutung qualitativ hochwertiger Unterlagen

Vor zwei Wochen hat sich ein Technischer Geschäftsführer in einer renommierten Headhunter-Datenbank eingetragen. Das Hinterlegen der Daten ging mit einer gratis Prüfung der Unterlagen einher. Der Lebenslauf war bereits sehr gut. Aber in der Rückmeldung wurden doch einige Aspekte erwähnt die – realistisch – verbessert werden könnten. Kosten für die Überarbeitung: 2.000 Euro.

Natürlich kommt gleich der Gedanke hoch, dass es sich hier um eine Akquisition handelt – und das stimmt. Aber die angesprochenen Punkte waren stimmig – und dieser Unterlagen-Coach hätte sich in der Tat intensiv mit der Bewerbung befassen müssen. Aus dem Outplacement-Umfeld werden auch einige Tausend Euro für eine professionelle Aufbereitung von Unterlagen verlangt.

Wer am anderen Ende der Skala z. B. bei renommierten Karriereportalen Anschreiben-Programme findet, die unentgeltlich Lebenslauf und Anschreiben generieren, kann sich die Frage stellen, wie diese beiden Modelle nebeneinander bestehen können.

Nun gibt es – bekanntlich – keine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Und wenn bei Unterlagen einfach alles überzeugt, von der Wortwahl, über die Alleinstellungsmerkmale, hin zur Optik und den Erfolgen, dann wird eine Wahrnehmung der Kompetenz erzeugt.

Gleichzeitig wissen Personalverantwortliche und Headhunter, dass viele Kandidaten äußerst qualifiziert sind, nicht jeder jedoch in der Lage ist, diese Expertise entsprechend zu „verpacken“. Wenn aus diesem Grund jede Bewerbung in die nicht mehrere tausend Euro investiert wurde, unberücksichtigt bliebe, würde es für die Personalvermittler schwer werden, ihr Geschäft zu betreiben.

Gleichwohl handelt es sich um eine Gratwanderung. Daher liste ich einmal die Minimalanforderung auf der Fachspezialisten und Führungskräfte – aus meiner Sicht – entsprechen sollten:

  • Anschreiben

Zumindest soll die Fach- sowie die persönliche Kompetenz adäquat dargestellt werden. Es ist sehr begrüßenswert wenn das Motivationsschreiben bereits eine erste Kostprobe von Erfolgen und Leistungen enthält. Die Begründung, warum ein Kandidat gern für dieses Unternehmen arbeiten möchte und die Wechselmotivation runden ein Anschreiben ab.

  • Deckblatt

Ein Deckblatt gehört nicht zwingend zum Standard-Bewerbungsrepertoire. Dennoch macht es Sinn, wenn – nach dem Anschreiben – auf dem ersten Blatt, zusammen mit dem Bild, ein persönliches Profil aufscheint. Dieses soll zusammenfassen, was den Kandidaten für diese Position auszeichnet. Branchenerfahrung, Kennzahlen, Kernkompetenzen (auch Soft Skills), Alleinstellungsmerkmale in der Kombination, Auszeichnungen. Wer sich auf eine Position bewirbt, die im Lebenslauf bisher noch nicht aufschien, tut sich mit einem Deckblatt einen großen Gefallen – da die Aufmerksamkeit auf die Stärken gelenkt wird, die ein Bewerber für diese Position mitbringt.

  • Lebenslauf

Einige Sätze zu den – vor allem unbekannten – vorherigen Arbeitgebern. Produkte, Dienstleistungen, Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter, Website. Dann natürlich die Funktion. Unterhalb differenzieren nach:

  • Hauptaufgaben (fünf bis acht – je aktueller die Position desto mehr)
  • Erfolge (auch: Ergebnisse, Leistungen, Resultate)

Wird auch immer gern gesehen: eine sinnvolle Auflistung zu Freizeit, Hobby, Ehrenamt. Keiner wird nur auf Grund der Fachkompetenz eingestellt. Die Persönlichkeit muss auf Neu-Deutsch auch „matchen“ mit der Führungskraft, dem Team und der Unternehmenskultur. So ist es wichtig, dass der Bewerber aus der Selbstreflexion in der Lage ist, strukturiert Aussagen zu der eigenen Person zu treffen. Ein persönlicher Eindruck ist – auch – über die Freizeitbeschäftigung möglich.


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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