Bewerbung & Karriere

Die Macht der Arbeitnehmer

... und ihr wachsender Einfluss auf den Bewerbungsprozess

Ein Artikel der Wirtschaftswoche lässt aufhorchen: Sechzig Prozent der Führungskräfte wären nicht dazu bereit, sich bei Unternehmen über ein Onlineportal zu bewerben.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland befindet sich auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren, nun steht eine „5“ vor dem Komma (5,9). Auch wenn die Geburtenrate gerade steigt, ist sie dennoch weit entfernt von einer Quote, die den demographischen Wandel auf lange Sicht rückgängig machen könnte. Und selbst wenn wir im Jahr 2015 eine Million Flüchtlinge aufgenommen haben sollten (diese Zahl wurde nie bestätigt), ist die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften dennoch ungebrochen hoch.

Schwierige Kandidatensuche für Headhunter

Bereits 2015 erfuhr ich von einem befreundeten Personalberater aus Ulm, dass sein Geschäft schwieriger geworden war. Nicht, weil er weniger Mandate erhielt, sondern weil es für ihn schwer war, die passenden Kandidaten zu finden. Und – so schrieb er mir – wenn er welche gefunden hatte, ließen sich die Unternehmen mit ihrer Entscheidung so viel Zeit, dass der Bewerber dann meistens nicht mehr verfügbar war.

Ein anderer befreundeter Headhunter aus dem Großraum Stuttgart erzählte mir die gleiche Geschichte. Die Zeiten, in denen ein Executive Search Consultant drei bis fünf Kandidaten präsentieren kann, sind größtenteils vorbei. Wenn eine passende Person gefunden wird, kann sich das Unternehmen freuen und soll zuschlagen.

Der Arbeitnehmermarkt als Chance

Aber noch einmal zum Anfang zurück: Offensichtlich ist vielen Führungskräften bewusst, dass ein Arbeitnehmermarkt neue Chancen mit sich bringt. Uns wurde eingeprägt, dass wir für einen Job flexibel sein, uns anpassen und den Anforderungen entsprechen müssen. Und natürlich gibt es Bewerber, die mühsame Erfahrungen gesammelt haben und deshalb zu vielen Kompromissen bereit sind.

Ein weiterer Bekannter, der vorher bei SIEMENS für das Talentmanagement verantwortlich war erzählte mir aber, dass auch dieser Konzern qualifizierte Bewerbungen noch immer in eigentlich unerwünschter Papierform erhält. Und mehr noch: Er bestätigte, dass die Fachabteilungen diese Personen im Schnitt viermal häufiger eingeladen haben als Bewerber mit einem digitalen Pendant.

Selbstbestimmt bewerben

Fazit: Es sind Zeiten angebrochen, in denen Bewerber ihren eigenen Markt festlegen und die Spielregeln selbst bestimmen können. Es fängt mit der Bewerbungsform an und geht zum Erstaunen der Unternehmen bei den Vorstellungsgesprächen weiter: Fragen nach Elternzeiten, flexiblen Stunden, Möglichkeiten zu einem Sabbatical und nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind keine Ausnahmen mehr.

Bereits vor einigen Monaten erwähnte der Personalleiter von AUDI, dass diese neue Generation der Bewerber sehr wohl Einfluss auf die Personalpolitik des Konzerns hat.

Vom Arbeitgebermarkt zum Arbeitnehmermarkt

Ich möchte Sie ermutigen, auch eigene Wege zu gehen. Natürlich ist es gut, wenn Sie den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens entsprechen. Aber Sie haben offensichtlich gute Chancen, wenn Sie für sich zudem eine Strategie für Ihre Suche nach Erfolg festlegen. Darin bestimmen Sie selbst, in welcher Art und Weise Sie sich als was bei wem bewerben. Wenn Sie zu einem Kennenlernen eingeladen werden, können Sie es sich offensichtlich zunehmend erlauben, den Takt vorzugeben und Bedingungen zu stellen.

Der Zeitpunkt des oft zitierten Wandels vom Arbeitgebermarkt hin zum Arbeitnehmermarkt scheint für viele schon gekommen zu sein.


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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