Bewerbung & Karriere

Die Initiativbewerbung

Vergebliche Mühe oder sinnvolle Ergänzung zur Bewerbungsstrategie?

Wenn man der einschlägigen Bewerbungsliteratur Glauben schenken darf, so werden 15 bis 20 Prozent aller Positionen über Initiativbewerbungen besetzt. Die Agentur für Arbeit ist da zurückhaltender und spricht von lediglich 5 Prozent. Bei etwa 500.000 neuen Arbeitsverträgen pro Monat wären das immerhin 25.000 Positionen, die aufgrund einer pro-aktiven Vorgehensweise ausgefüllt werden – aufs Jahr gerechnet also 300.000 Stellen. Grund genug, sich damit etwas eingehender zu befassen. Drei Beispiele aus der Praxis:

Einkaufsleiter, Herr G.

Herr G. wohnt in Baden-Württemberg, ist Einkaufsleiter und auf Job-Suche. Er weiß von der theoretischen Möglichkeit der Initiativbewerbung, lehnt diese jedoch ab. Seine Meinung: Entweder gibt es in den Unternehmen bereits einen Einkaufsleiter – oder die Stelle wird ausgeschrieben. Seine Vorgehensweise: Herr G. reagiert weiterhin auf ausgeschriebene Stellen. Seine Rückmeldungen: Eher bescheiden. Herr G. steht immer im Wettbewerb zu anderen Kandidaten. Er hat bereits Angebote erhalten, müsste aber – da er „vergleichbar“ ist – von seinen Gehaltsvorstellungen Abstand nehmen. Herr G. ist seit September 2015 aktiv auf der Suche und verfolgt weiterhin seine Strategie.

Leiter Innendienst, Herr E.

Herr E. kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, hat einige Jahre in Süddeutschland gearbeitet und möchte nun – aus persönlichen Gründen – wieder zurück in seine Heimat. Er startet einen Versuch über eine Initiativbewerbung und schreibt Unternehmen in seiner Gegend ab September 2015 aktiv als Leiter Verkaufsinnendienst an. Innerhalb weniger Tage erhält er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Firma sucht seit längerer Zeit einen Leiter Verkaufsaußendienst und erkundigt sich bei Herrn E., ob diese Position – grundsätzlich – auch infrage kommt. Herr E. sagt zu.

Leiter Operations, Vincent Z.

Ich ziehe mit meiner Familie an den Niederrhein. Dort bewerbe ich mich initiativ bei einer amerikanischen Verteilerzentrale als Leiter Operations, da ich in diesem Bereich bereits zweimal tätig war. Zwei Monate lang passiert nichts. Dann erhalte ich einen Anruf. Es wird eine Entschuldigung ausgesprochen, dass keine Rückmeldung erfolgte. Meine Bewerbung hatte überzeugt, aber es war keine passende Position frei. Nun hat der Stelleninhaber gekündigt. Es findet ein gutes Gespräch statt, jedoch habe ich mir ein anderes Gehalt erhofft. Das Unternehmen sucht nach einer kreativen Lösung. So wird eine weitere freie Stelle (Einkauf) mit der Position Leiter Warehouse Operations zum Supply Chain Manager verschmolzen. Ich erhalte eine Anstellung.

Was ist zu beachten?

Initiativbewerbungen erhalten für gewöhnlich eine erhöhte Aufmerksamkeit. Umso mehr, je unbekannter das Unternehmen ist (Hidden Champions in der Provinz!). Initiativbewerbungen überzeugen, da sie nicht auf ein ausgeschriebenes Profil reagieren. Es bleibt dem Bewerber in positivem Sinne nichts anders übrig, als sich mit den eigenen Stärken und der eigenen Persönlichkeit intensiv auseinanderzusetzen und diese in den Vordergrund zu stellen. Das vermittelt Authentizität.

  • Individueller Einstieg
    Wer mit Copy & Paste ein Standardschreiben an „Sehr geehrte Damen und Herren“ richtet und nur noch die Adresse ändert, hat verloren. Ist aber Herzblut in einem aufrichtigen, integren ersten Absatz erkennbar, stehen die Chancen gut, dass die Bewerbung auch Beachtung findet.
  • Fachkompetenz
    Was habe ich zu bieten und wie bringe ich das auf den Punkt? In ca. acht Zeilen soll meine Expertise überzeugen. Am besten nicht nur Berufserfahrung dokumentieren, sondern auch erste Leistungen und Erfolge.
  • Der rote Faden in meiner Vita
    Ich habe in der Produkt-Entwicklung angefangen, bin dann zum Produkt-Marketing gewechselt und habe anschließend die Verantwortung für den Vertrieb übernommen. Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus, sondern nehmen Sie den Adressaten an die Hand und führen Sie ihn kurz durch Ihren Lebenslauf, damit ein Gesamtbild entsteht.
  • Persönliche Kompetenz
    Stellen werden aufgrund der Fach- und persönlichen Kompetenz vergeben. Und zwar in etwa 50:50. Wer bin ich? Wie ist mein Arbeitsstil? Über welche Kompetenzen verfüge ich? Was ist mir wichtig? Werte? Verzichten Sie auf Floskeln wie „Flexibilität“ und „teamfähig“, zeigen Sie stattdessen Ecken und Kanten. Passe ich tatsächlich zur Kultur, zum Team oder zur Vorgesetzten-Stelle? Je früher wir das erkennen, umso besser!
  • Wechselmotivation
    Ein offensiver Umgang mit den Gründen für meine Neu-Orientierung lässt keine Fragen offen.

Das Abenteuer der Initiativbewerbung ist eine spannende Reise mit unbekanntem Ausgang.
→ Prädikat: Empfehlenswert!


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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