Bewerbung & Karriere

Der nächste Karriereschritt

Damit der angepeilte Turbo nicht zum Bumerang wird…

Die Entscheidung, den Arbeitgeber zu wechseln, ist schnell getroffen. Häufig aber werden die Konsequenzen, die ein solcher Schritt mit sich bringt, zu wenig berücksichtigt.

a) Peter-Prinzip

Wer sich weiterentwickeln möchte und eine berufliche Veränderung braucht, für den ist ein Jobwechsel ein willkommener Anlass. Sei es der Wunsch nach mehr Personalverantwortung oder weil die Zeit reif ist für einen Sprung vom Abteilungs- zum Bereichsleiter – ein Wechsel des Arbeitsplatzes kann viele Gründe haben. Auch ein Branchenwechsel ist damit möglich.

Bereits 1969 formulierte Laurence Peter, warum so viel schief geht in dieser Welt. Schließlich wird der Mensch ja bis zur Stufe der Inkompetenz befördert. Das mag zwar lustig klingen, kommt aber dem wirklichen Leben oft sehr nahe. Woher auch das Wissen nehmen, dass Grenzen erreicht sind, wenn diese nicht erfahren werden?

Eine ehrliche Bestandsaufnahme tut Not. Nicht umsonst werden 30 Prozent aller Arbeitsverträge innerhalb der Probezeit aufgelöst. Die Gründe liegen – auch – in der Selbstüberschätzung.

b) Cultural fit

Wer bei Unternehmen A reüssiert, ist bei Firma B nicht zwingend ein Champion. Oft spielen Soft Skills eine Rolle. Womöglich werden bei Arbeitgeber A extrovertierte Persönlichkeiten geschätzt, Unternehmer B hingegen bevorzugt eine zurückhaltende, vorsichtige Vorgehensweise. Während heute Eloquenz und eine herausragende Kommunikation von Bedeutung sind, werden schon morgen Zahlen, Daten, Fakten verlangt und die persönliche Kompetenz tritt in den Hintergrund.

In manchen Branchen ist eine Hospitation möglich. Wenn nicht, lohnt sich ein ausführliches Gespräch mit dem künftigen Team. Davon profitieren Unternehmen und Bewerber gleichermaßen. Denn sollte es zu einer Auflösung des Arbeitsvertrags beim neuen Arbeitgeber kommen, verlieren alle.

Auch ist die Beziehung zur vorgesetzten Stelle nicht zu unterschätzen. Wer derzeit an der langen Leine geführt wird, arbeitet morgen vielleicht mit einer kontrollierenden Führungskraft zusammen. Beide Führungsstile mögen legitim sein. Zu häufig aber bleibt das künftige Führungsverständnis als Erfolgsfaktor für die nächste Herausforderung unberücksichtigt.

Auch die Fragen nach der Kultur als Erfolgsfaktor sollen nicht geringgeschätzt werden.

c) Der Preis

Der dritte Aspekt, der bei einem Jobwechsel oft übersehen wird, ist der Preis, der für die Neuorientierung bezahlt wird.

Ein Ortswechsel entfremdet möglicherweise vom sozialen Umfeld. Wenn die Eltern älter werden, kann diese Tatsache noch an Bedeutung zunehmen. Aber auch sonst ist jener gefährdet, der abends zu viel Zeit in der Firma verbringt, weil Beziehungen und soziale Kontakte fehlen.

Wie viel Reisetätigkeit ist für den neuen Job erforderlich? Macht ein Anteil von 20 Prozent vielleicht noch Spaß, muss dies bei 40 Prozent nicht zwingend der Fall sein.

Eine Zunahme von Verantwortung wird häufig mit einer erweiterten Verfügbarkeit für den Arbeitgeber erkauft. Überstunden sind völlig normal – und eine Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten sowieso.

Hat eine Zunahme an Information vor 10 Jahren noch Spaß gemacht, ist heute das Thema „Resilienz“ an der Tagesordnung. In einer Ära der Reizüberflutung ist Abschotten häufig ein Modus, den Alltag zu bewältigen. Kaum einer lädt noch neue Apps auf das Smartphone: Weniger ist mehr.

Fazit

Manche Argumente sprechen für einen Arbeitgeberwechsel. Die Karriere erlebt dadurch häufig eine Beschleunigung, die ohne Neuanfang nicht möglich wäre. Das gilt für den Aufstieg als Fachexperte und Führungskraft. Auch für die Gehaltsentwicklung ist die nächste berufliche Station nachweislich ein Turbo.

Nichtsdestotrotz wird vielfach angenommen, dass die gleichen Parameter, die vorher den Erfolg bestimmten, auch beim neuen Arbeitgeber dominieren. Nur wer sich ernsthaft über die fachliche Eignung, die neue Unternehmenskultur sowie den Preis, den er als Kandidat zu zahlen bereit ist, Gedanken macht, kann mit gutem Gefühl den nächsten Karriereschritt anvisieren.


Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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