Tarifeinigung erzielt

Die Tarifgespräche zwischen dem Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) führten am 04.05.2022 zu einem Ergebnis.

Marburger Bund und VKA verständigten sich auf einen Kompromiss, der für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Kliniken eine Gehaltssteigerung von 3,35 Prozent und strukturelle Verbesserungen bei der Arbeitsbelastung vorsieht.

Rückschau: Fünf Verhandlungsrunden und Warnstreiks

Seit 14. Oktober 2021 fanden zwischen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund Verhandlungen für einen neuen TV-Ärzte/VKA statt, bei dem es um die Arbeitsbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Kliniken ging.
Die Verhandlungen wurden von zahlreichen Warnstreiks begleitet, wie etwa die Kundgebung mit 4.000 Streikenden Ende März in Frankfurt. Nach vier ergebnislosen Terminen gelang in der fünften Runde, die vom 2. Mai bis 4. Mai 2022 stattfand, der Durchbruch.

Lineare Entgelterhöhung zum 1. Oktober 2022

Die Gehälter der Ärztinnen und Ärzte werden rückwirkend zum 1. Oktober 2021 um 3,35 Prozent linear erhöht. Dem Marburger Bund wurde dabei die Möglichkeit eingeräumt, die Regelungen zu den Entgelten zum Jahresende 2022 zu kündigen. Damit stünden Anfang 2023 erneut Tarifverhandlungen an, die sich dann aber nur auf neue Entgelttabellen beschränken.

Änderungen bei Urlaub, Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst

Das Einigungspapier sieht vor, dass ab 1. Januar 2022 die Ärztinnen und Ärzte einen zusätzlichen Urlaubstag erhalten. Ab 1. Januar 2023 gibt es einen weiteren Tag Zusatzurlaub, wenn mehr als 29 Bereitschaftsdienste im Kalenderhalbjahr geleistet werden.
Bei der Rufbereitschaft verständigte man sich auf eine neue Höchstgrenze von 13 Rufbereitschaften im Kalendermonat. Bei der Begrenzung von Bereitschaftsdiensten wird nun ein kalendermonatlicher Bezugszeitraum angesetzt – in einem Monat hat die Ärztin/der Arzt grundsätzlich bis zu vier Bereitschaftsdienste zu leisten.
Ab 1. Januar 2023 ist im Grundsatz nur an zwei Wochenenden pro Monat eine Arbeitsleistung zu erbringen.

Verhandlungsparteien loben Kompromiss

Wolfgang Heyl, Verhandlungsführer der VKA, stellt den Abschluss angesichts einer hohen Inflation und der Belastungen durch die Corona-Pandemie als eine tragbare Lösung für alle Parteien dar. Er hob hervor, dass laut Vereinbarung die neuen Regelungen zu Ruf- und Bereitschaftsdiensten sowie zu den freien Wochenenden in den kommenden Jahren nicht mehr angefasst werden.
Christian Twardy, Verhandlungsführer des Marburger Bundes, meinte, mit dem Gesamtpaket seien substanzielle Verbesserungen erreicht worden, mit dem es bei der Belastung mit Diensten außerhalb der Regelarbeitszeit klare Grenzen gebe und sich die Ärztinnen und Ärzte auf verlässliche Ruhezeiten einstellen können.