Bewerbung & Karriere

Bewerbungsunterlagen: Basisprinzipien für den Erfolg

Das Anschreiben

Derzeit coache ich Studenten, die einen Executive MBA absolvieren und bereits einige Jahre im Berufsleben stehen. Die Fachspezialisten und Führungskräfte haben sich für einen knapp sechsstelligen Betrag dafür entschieden, diesen Abschluss innerhalb zweier Jahre nebenberuflich zu erlangen. Die Management School stellt ihnen einen Karriere-Coach zur Seite, da es für die allermeisten das ausgesprochene Ziel ist, die Investition mit einer beruflichen Weiterentwicklung wieder zu amortisieren.

Es geht hier also um die berufliche Zielsetzung und den Weg dorthin – am Thema „Bewerbungsunterlagen“ kommen wir also nicht vorbei. Unweigerlich findet der Erstkontakt inzwischen meistens in digitaler Form statt. Somit stellt sich für die Studenten die Frage, wie sie ihre Leistung sichtbar machen. Das fällt vielen wesentlich schwerer als angenommen. Manche haben sich noch nie beworben. Sie wurden von Headhuntern oder über ein persönliches Netzwerk angesprochen. So geschieht es dann, dass Personen, die über Millionenbeträge entscheiden nicht wissen, wie sie sich vermarkten sollen.

Daher sehe ich die Notwendigkeit, die Basisprinzipien für den Erfolg der Unterlagen auf den Punkt zu bringen. In diesem Monat fange ich mit dem Anschreiben an.

Ausgeschriebene Stellen

Dem sende ich voraus, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob sich jemand auf ausgeschriebene Stellen bewirbt oder eine Initiativbewerbung verfasst. Bei der Reaktion auf ausgeschriebene Stellen muss natürlich die Deckungsgleichheit zwischen Anforderungen und dem eigenen Profil im Vordergrund stehen. Aus verschiedenen Gründen kann das klassische Verfahren zu Enttäuschungen führen, vor allem, weil die Qualifikation in diesem Prozess lediglich eine überschaubare Rolle spielt.

Initiativbewerbung

Somit führe ich Sie auf den Königsweg der Initiativbewerbung. In diesem Fall sind Sie zur Selbstreflexion gezwungen, da Sie sich nicht nach vom Arbeitgeber vorgegebenen Kriterien richten können. Sie müssen zunächst entscheiden, in welcher Funktion Sie tätig werden wollen – und bei welchem Arbeitgeber. Die Frage nach dem Aufgabenbereich kann Ihnen niemand abnehmen. Inspiration zu passenden Unternehmen finden Sie z.B. bei Wer liefert was, Deutschlands Beste Arbeitgeber oder bei der IHK-Datenbank in Ihrem Bundesland. Alternativ können Sie bei einem passenden Profil z.B. direkt an Personalberater herantreten, z.B. beim BDU.

Bewerben ist werben

Bewerben ist auch immer werben in eigener Angelegenheit. Da die meisten Personaler den Unterlagen bei der Erstdurchsicht weniger als zwei Minuten widmen, kommt der Optik eine wichtige Bedeutung zu. Schriftgröße, Leerzeilen oder Flattersatz spielen eine Rolle bei der Frage, ob ein Anschreiben zum Lesen animiert.

Beim Inhalt ist die Beantwortung von fünf Fragen von eminenter Bedeutung:

1. Warum bewerben Sie sich bei diesem Unternehmen?

Arbeitgeber sind allergisch auf Copy/Paste. Wer kein Herzblut investiert, wird nicht eingeladen. Finden Sie als einen authentischen Einstieg!

2. Welche Fachkompetenz weisen Sie vor?

Reden Sie nicht darüber, dass Sie „viele Erfahrungen gesammelt haben“. Das ist auch der Fall, wenn Sie seit zehn Jahre versagen. Welche Probleme lösen Sie? Besser noch, Sie geben eine Kostprobe von zwei Leistungsbeispielen. Welche Erfolge weisen Sie vor?

3. Roter Faden im Lebenslauf

Zeigen Sie, wie berufliche Stationen zusammenhängen und welche Kompetenzen Sie erworben haben, die Sie in der anvisierten Position einsetzen können.

4. Persönliche Kompetenz

Persönliche Kompetenz wird immer unterschätzt. Aber ein Kandidat wird aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und seiner Persönlichkeit eingestellt - zu gleichen Teilen. Passen Sie zum Team und zur Unternehmenskultur? Zur vorgesetzten Stelle? Präsentieren Sie bitte ein glaubwürdiges Profil.

5. Wechselmotivation

Wer diesen Punkt lieber persönlich erläutert riskiert, nicht eingeladen zu werden. Die Zeiten haben sich geändert. Heute können Sie problemlos erwähnen, dass Ihr Unternehmen einen Eigentümerwechsel hinter sich hat und die Kultur nicht länger mit Ihren Werten übereinstimmt.

Wer sich die Mühe macht, eine Initiativbewerbung zu verfassen (es ist immerhin die Rede davon, dass ca. 15 Prozent aller freien Stellen durch Initiativbewerbungen besetzt werden) stellt fest, dass sie zu 80 Prozent auch als Grundlage für passende ausgeschriebene Stellen verwendet werden kann!

 

Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung , gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat - vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.

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